Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394180
LEBENDE BILDER. 75 
 
Bildern die gerade dieser Richtung angehörenden den 
reichsten Beifall. Jakob Beckers nHeimkehrende Schnittertt 
in der dankbaren hessischen Tracht haben in ihrer Kom- 
position, der klaren Dreiteilung mit dem pyramidalen Auf- 
bau, außerdem noch ein Element, welches die Nahe der 
vorhergehenden, nach der Seite leicht faßlicher Komposition 
hin strengeren Kunstrichtung deutlich erkennen läßt, und 
welches sich doch leicht und freimit der Naturwahrscheinlich- 
keit vereinigt: so machte gerade diese Darstellung als lebendes 
Bild einen ungemein günstigen Eindruck, welcher durch 
die glücklich nachgeahmte Abendbeleuchtung eine nicht 
Linwesentliche Steigerung erhielt. Freier und nach der 
Art der die Gesetzmäßigkeit mehr verhüllenden als 
laut verkündenden Kompositionsweise sich aufbauend, ist 
Kaspar Netschers vMusikunterrichta, in welchem die starke 
Seite des Meisters, die sich für diese Art der Darstellung 
so trefflich eignende Feinheit im Kostüm, in ausge- 
zeichneter Weise zur Wirkung kam. 
Hiermit war die Reihe der Darstellungen abgeschlossen, 
die uns wie eine Probe auf die Frage anmutete: Welche 
Art von Bildern eignet sich am besten zur Darstellung 
lebender Bilder, und zwar in solchem Grade, daß das le- 
bende Bild dadurch selbst als eine künstlerische Leistung 
erscheinen kann? Das letztere wird natürlich nur dann 
der Fall sein, wenn der stellende Künstler ganz auf die 
Intentionen des Meisters eingeht und sich so in den Geist 
desselben hineindenkt, daß er auch da in seinem Sinne 
arbeitet, wo er ihm nicht sklavisch nachgehen kann. Denn 
da die Kunst ihrem eigenen Gesetze folgt und ihrerseits 
das Leben sich zum Vorbilde nimmt, aber nicht sklavisch 
nachahmt, so wird nur in den seltensten Fällen eine ein- 
fache Ersetzung der gemalten Körper und Stoffe durch 
natürliche genügen, damit das gestellte Bild denselben 
Eindruck mache wie das gemalte. Es wird vielmehr ein 
Kompromiß zwischen Kunst und Natur notwendig sein 
wie vorher zwischen Natur und Kunst, und der stellende 
Künstler wird reichlich Gelegenheit haben zu zeigen, in 
welchem Grade er sich in die Existenz- und Bildungsgesetze 
der beiden Gegensätze eingelebt hat. Für ihn selbst aber
        

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