Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394150
E 
LEBENDE BILDER. 
Die bedeutendste Kraft des lebenden Bildes wird sich 
jedenfalls in Kompositionen zeigen, welche eine dramatische 
Gruppierung darbieten. Gerade da tritt die beherrschende 
Gewalt des Künstlers ins schönste Licht. Fortwährend 
sehen wir die Menschen in Handlungen und Situationen 
zusammentreten, aber nur in den seltensten Fällen schließt 
sich eine Gruppe zu einem bedeutsamen Ganzen, das uns 
durch seine ästhetische Wirkung ergreift. Um so größer 
wird diese sein, wenn sie auch die Willkür der individuellen 
Beweglichkeit und das stets bereite Auseinanderlaufen nach 
Bedürfnis, Neigung und Laune unter eine klar hervor- 
leuchtende, das Einzelne im Interesse des Ganzen und 
seiner ästhetischen Wirkung unterordnende Gesetzmäßig- 
keit zwingt. Am klarsten tritt diese, dem natürlichen 
Entwickelungsgange der Kunst entsprechend, in den früheren 
Epochen hervor, besonders in den Zeiten, in welchen die 
Kunst noch im Dienste des Kultus steht und die mit der 
Auffassung des Göttlichen als des ewig Gleichmäßigen, 
Ruhigen und eben darum auch Beruhigung Verbürgen- 
den enge verbundenen Gesetzmäßigkeit sich in entschie- 
denen Gegensatz gegen die unablässige Unstetigkeit des 
irdischen Treibens stellt. jene heiligen Konversationen 
und die mit ihnen in Verbindung stehenden Weitergestal- 
tungen möchten wohl die dankbarsten Vorwürfe für lebende 
Bilder sein, zumal gerade bei ihnen die Pracht der Ge- 
wandung vielfach in großartiger Form- und Farben- 
wirkung zur Geltung kommt, also ein Gesichtspunkt, 
der gerade für das lebende Bild von Wichtigkeit ist. So 
stehen uns von einer früheren Darstellung her namentlich 
Raffaels nHeilige Cäciliea und Philipp Veits uEinführtlng 
der Religion durch die Künsten als besonders stimmungs- 
voll in der Erinnerung. Geht man über diese Stufe hin- 
aus zu der in der Kunstentwickelung folgenden Stufe der 
historischen Malerei, so tritt mit der freieren Bewegung 
die mehr verhüllte Gesetzmäßigkeit in der Gruppierung 
ein, welche die Darstellung sowohl wie die rasche Auf- 
fassung  und diese muß wegen der Kürze der Erscheinung 
wesentlich in Berechnung gezogen werden  erschweren, 
Diese Schwierigkeit kann jedoch durch die vorausgehende
        

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