Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394144
LEBRNDE BILDER. 71 
Vertiefung des Charakters, die uns immer und immer wieder 
zur Betrachtung reizt, obschon das persönliche Interesse 
ganz verschwunden ist oder doch sehr zurücktritt. So ist 
es mit Rembrandts Saskia, einer der Perlen der Kasseler 
Galerie. Wird sie als lebendes Bild gestellt, muß da nicht 
gerade das Beste verloren gehen? Angenommen, die 
Aehnlichkeit der Züge wäre eine vollkommene, muß nicht 
doch gerade der dem Bilde seinen wesentlichsten Gehalt 
gebende Ausdruck durch die der Erscheinung anhaftende 
Zufälligkeit verdrängt werden? Es war in der That nichts 
Anderes übrig geblieben als ein geschickt hergerichtetes 
Kostümbild, dessen Beleuchtung ein Rembrandtsches Kolorit 
wohl ahnen ließ, aber weit davon entfernt war, es zu er- 
reichen. Die Aufgabe des lebenden Bildes war eben nicht 
erfüllt und konnte es nicht sein: an Stelle der das Zufällige 
der Erscheinung beherrschenden, durch die in sie gelegte 
Gesetzmäßigkeit zur Allgemeingiltiglteit erhobenen 
Schöpfung des Meisters sahen wir die Zufälligkeit der 
Erscheinung selbst. 
Ganz anders wird das Verhältnis, wenn das Haupt- 
gewicht der Darstellung auf die Situation fallt. Wenn nur 
der Ausdruck des Gesichtes zu ihr stimmt, so kommt es 
auf die vollkommene körperliche Aehnlichkeit nicht wesent- 
lich an; der Ausdruck selbst aber kann um so leichter 
gestimmt werden, eine je greifbarere Situation vorliegt, in 
die sich jemand schon um deswillen mit sicherem Erfolge 
hineindenken kann, weil sie sich im Leben oft genug 
wiederholt. Zudem ist es unendlich einfacher, sich in 
eine Handlung von vorübergehender Natur zu versetzen, 
als in einen Charakter, in welchem ein ganzes Leben er- 
scheint. Trotzdem also, daß das nächste Bild gleichfalls 
nur eine einzelne Persönlichkeit brachte, so lag das Verhält- 
nis doch ganz anders, und dies bewirkte den bedeutenden 
Erfolg dieses Bildes. Es war Caravaggios nLautenschlägerina: 
über ihre Guitarre hingebeugt, lauscht sie den Tönen des 
Instrumentes, das sie stimmt. Dazu kamen noch die für 
eine solche Wiedergabe so sehr viel günstigeren kräftig 
leuchtenden Grundfarben, die in ihrer trefflichen Zu- 
sammenstimnating eine vorzügliche Wirkung ausübten.
        

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