Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394101
LEBENDE _B1LDER. 
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das wirkliche Leben zeigen, wie dieses sich gestalten müßte, 
wenn die dieser besonderen Kunstschöpfung zu Grunde 
liegende, uns überall klar entgegenleuchtende, alles harmo- 
nisch zusammenfügende und ausbauende Gesetzmäßigkeit 
das dem NVerden der ganzen Natur zu Grunde liegende 
Gesetz wäre. Dieser eigenartige Genuß ist ästhetisch 
sicherlich ein berechtigter, so lange die ästhetischen Grund- 
bedingungen des lebenden Bildes gewahrt bleiben. Daß 
dies freilich nicht immer "geschieht, selbst in Künstlerkreisen 
nicht immer, hat uns eine glänzende Aufführung lebender 
Bilder gezeigt, deren Auswahl wie absichtlich erscheinen 
könnte, um die hier besprochene Frage durch Beispiele 
zu illustrieren und in ihrer ganzen Entwickelung zu ver- 
folgen. Wir wollen jedoch diese Beispiele nicht nach dem 
Gange der Aufführung, sondern dem hier verfolgten Ge- 
danken entsprechend ordnen. Dann erst werden sie die 
Frage wirklich als eine allseitig der Prüfung unterworfene 
zeigen. 
Das erste Bild, vTrauung in einer russischen Dorf- 
kirchea, war von dem Künstler nach den von ihm selbst 
gewonnenen Anschauungen ausschließlich zum Zwecke der 
Aufführung gestellt, nicht nach einem Gemälde, sondern 
nach einer Skizze, welche nur zur Erleichterung der Auf- 
Stellung entworfen war. Wir haben also nicht eine nach 
künstlerischen Grundsätzen durchgearbeitete Komposition, 
sondern einen aus dem wirklichen Leben herausgegriifenen 
und für den Augenblick festgehaltenen Zustand. Es darf 
daher nicht Wunder nehmen, daß die farbenprächtige Er- 
scheinung der Klarheit uud Durchsichtigkeit ermangelte, 
welche zu erlangen gerade die Aufgabe der künstlerischen 
Durcharbeitung ist und-welche die Auffassung von Seiten des 
Beschauers erleichtert: für diesen ist die in dem Kunstwerke 
waltende "Gesetzmäßigkeit, die ihm eigene innere Not- 
wendigkeit und Folgerichtigkeit der Wegweiser, der die 
Uebersichtlichkeit der Erscheinung ermöglicht und fördert. 
Fehlt dieses Moment, so hat das mitten in der Entwicke- 
lung des_ natürlichen Lebens stehende, sich gerade eben 
dem Beobachter gestaltende Bild immer den außerordent- 
lichen Vorzug, daß das vorunseren Augen entsteghende 
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