Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394093
LEBENDE 
BILDER. 
Derselbe Fortgang wie für die Gestaltung der Einzel- 
erscheinting ergiebt sich auch für die Komposition. Auch 
hier erscheint anfangs kräftig sich fühlbar machende 
Gesetzmäßigkeit mit allmählich feiner und versteckter 
werdender Unterordnung des Einzelnen, bis sie zur absicht- 
lich den Schein der Naturwahrheit erstrebenden künstlichen 
Unordnung und Zufälligkeit übergeht, von welcher der 
Schritt zum wirklichen Aufgeben des Wesens des Kunst- 
werks nicht mehr weit ist. 
Ist es nun aber im Gegensätze zum Kunstwerke gerade 
das Zufällige, das sich in der Natur uns entgegendrängt 
und den einheitlichen Eindruck stört, ist es, wenn einmal 
ausnahmsweise ein solcher gewonnen werden kann, die 
Vergänglichkeit des Augenblicks, die uns unbarmherzig 
dem ästhetischen Genusse entreißt und in die Alltäglichkeit 
der gestörten Empfindung zurückwirft: so ist das Bestreben, 
solche Erscheinungen des Augenblicks zu fesseln, ein sehr 
natürliches. Der einfachste Weg dazu ist der, mit Auf- 
gebung der lebendigen Natur die Erscheinung festzuhalten 
 er führt zum Kunstwerk. Aber noch eine andere 
Richtung ist berechtigt, nämlich die, die ästhetische Erschei- 
nung in der lebendigen Natur selbst festzuhalten; diese führt 
zum nlebenden Bildea, das freilich, da es lebt und wirkliche 
Natur ist, der Vergänglichkeit nur kärglich Halt gebieten 
und daher nur für den Augenblick Bedeutung haben kann, 
nie aber den charakteristischen Vorzug der Kunstschöpfting, 
den der Dauer, gewinnt und daher immer nur eine unter- 
geordnete Bedeutung beanspruchen kann. Soll dieser 
Mangel einigermaßen ersetzt werden, so muß die Erscheinung 
eine möglichst vollendete sein, bei welcher das ästhetische 
Element rasch als der wesentliche Gesichtspunkt ins Auge 
springt. Dies wird am meisten dann der Fall sein, wenn 
der Gegenstand des lebenden Bildes nicht ein der unmittel- 
baren Wirklichkeit glücklich abgelauschter, sondern ein 
bereits durch denkünstlerischen Prozess gewonnener und 
dem Wesen der Kunstschöpfting entsprechend durchge- 
arbeiteter ist. Dann vermag allerdings das lebende Bild 
den seltenen Genuß einer durchaus ästhetisch gestalteten 
Wirklichkeit zu geben: es kann uns für einen Augenblick
        

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