Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394084
LEBENDE 
BILDER. 
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entledigt werden, was, weil wir seinen tieferen Zusammen- 
hang mit dem Ganzen nicht kennen, uns als Zufälligkeit 
erscheint und in der Nachbildung störend wirken müßte, 
da es sich der dort zum Ausdrucke kommenden, das neue 
Ganze gestaltenden Gesetzmäßigkeit nicht einfügen könnte. 
Andererseits müssen die in der natürlichen Erscheinung 
gebotenen, der gestaltenden Gesetzmäßigkeit entsprechenden 
Keime so ausgebildet werden, als hätte in der natür- 
lichen Erscheinung eben diese Gesetzmäßigkeit als einzig 
veranlassendes Element gewirkt, gegen welches alle die 
anderen in der Wirklichkeit thatsächlich mitarbeitenden 
Elemente ganz zurückgetreten wären. Diese neue, alles 
Zufälligen entkleidete und eine höhere, alles Einzelne 
zweckvoll gestaltende und einreihende, Ordnung verkündende 
Schöpfung, die man im Verhältnis zur Naturerscheirlung 
eine ideale, im Verhältnis zu dem schöpferischen Indivi- 
duum, das ihr die ihm innewohnende, seiner Eigenart 
naturgemäß entspringende Gesetzmäßigkeit aufgeprägt hat, 
eine stilvolle nennen kann, muß diese in ihr waltende 
Gesetzmäßigkeit in jedem einzelnen Falle mit verhältnis- 
mäßig gleicher Klarheit zur Empfindung bringen. Da aber 
die in verschiedenen Zeiten herrschende Empfänglichkeit 
eine verschiedene, und zwar im Verlaufe der naturgemäßen 
Entwickelung eines Volkes in den früheren Zeiten eine 
gröbere, in den späteren dagegen eine immer feinere ist, 
so wird uns die Gesetzmäßigkeit, je nach ihrer Beziehung 
das Ideale oder das Stilvolle, in älteren Zeiten entschiedener, 
kräftiger, offenkundigen allmählich aber immer maßvoller, 
feiner, versteckter entgegentreten. je absichtlicher sie ur- 
sprünglich die Verwechslung mit der Natur Hieht, um so 
mehr wird sie diese allmählich suchen und in der Verbindung 
mit vollkommener Naturwahrscheinlichkeit ihren höchsten 
Triumph feiern, um bald in dem immer größeren Streben 
nach Naturwahrheit ihr eigenstes Wesen aufzugeben und 
in einem Naturalismus zu endigen, welcher dem Wesen 
der Kunst cntsagt, weil er den Schein als Wirklichkeit 
geben will, und welcher der Natur gegenüber ein Schwäch- 
ling bleibt, weil er aus dem Scheine dennoch nie die 
Wirklichkeit selbst schaffen kann. 
Vun- VALENTIN. S
        

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