Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394052
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LEBENDE BILDER. 
 
Gegensatze zu dem oft mit ihm verwechselten Ausdruck 
nAbbildungrt ergiebt. Die Abbildung ist eine durch irgend 
ein technisches Verfahren hervorgebrachte Wiedergabe 
irgend eines sichtbaren Gegenstandes, mag dieser der Natur 
oder der Kunst angehören; das Bild dagegen schließt den 
Begriff der ästhetischen Auffassung und Verarbeitung des 
Gegenstandes in sich, wie er sich am deutlichsten in der 
künstlerischen Wiedergabe eines sichtbaren Gegenstandes 
kundgiebt, wie er aber auch schon in einer nach dieser 
Richtung hin sich vollziehenden subjektiven und im Sub- 
jekte bleibenden Auffassungsweise hervortreten kann. Das 
Wesen der ästhetischen Auffassung beruht aber darauf, daß 
eine Reihe von Einzelerscheinungen unter einem bestimmten, 
der Eigenart des Individuums entspringenden Gesichtspunkte 
zusammengefaßt und zu einem neuen Ganzen mit einheit- 
licher Wirkung auf die Empfindung verbunden werden. 
Zu diesem Zwecke müssen sie aus ihrer sonstigen Verbindung 
abgelöst und, als ob sie sonst mit der übrigen Welt keinen 
realen Zusammenhang hätten, zu einem neuen, selbständigen 
Dasein erhoben werden. Fassen wir eine Landschaft 
ästhetisch auf, so lassen wir alle Beziehungen auf Boden- 
beschaffenheit, Ertragsfähigkeit, Nährwert der Pflanzen, 
ihre Erhaltungs- und Fortpfianzungsbedingungen, die land- 
wirtschaftliche Bedeutung von Wasser und Wald, Berg und 
Thal und alle anderen, je nach der Art der Betrachtung 
möglichen Erkenntnisse und Beziehungen der Einzel- 
erscheinungen bei Seite und beschränken uns darauf, ihre 
Formen und Farben in uns aufzunehmen. Sind diese 
zufällig so günstig gestaltet, daß sie in Beziehung zu 
einander zu treten scheinen, ja daß es vielleicht so 
aussieht, als seien sie gerade so verteilt, um den ganz 
bestimmten Eindruck der Zusammengehörigkeit und 
einer einheitlichen Wirkung auf unsere Empfindung 
zu machen, so gewinnt das so durch unsere Auffassungs- 
weise geschaffene neue Ganze den Charakter des nBildesa 
womit wir gerade diese ästhetische Seite des Anblickes 
bezeichnen wollen. Aber freilich ist die Grundlage dieses 
Bildes nur eine zufällige: eine Linie, eine Farbe anders, 
und die Einheitlichkeit des Eindrucks ist gestört. Wir
        

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