Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394038
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KUNST,- 
UND 
SYMBQLIK 
ALLEGORIE 
eine ästhetische sei. Ohne Erfüllung dieser Bedingung ist 
aber nicht nur ein Werk der allegorischen Kunst, sondern 
ebenso ein solches der historischen und der symbolischen 
Kunst verwerflich, nicht weil es dieser oderjener Darstellungs- 
art angehört, sondern weil es dem für uns notwendigen 
Erfordernis ästhetischen Gehaltes nicht entspricht. Eine 
kurze Rundschau über die geschichtliche Entwickelung der 
Kunst lehrt, schon bei Hervorhebung nur einzelner 
charakteristischer Kunstschöpfungen, daß dieser Gesichts- 
punkt thatsiicltlich stets in Geltung war, seitdem die Kunst 
begonnen hat, statt einseitig einem praktischen auch einem 
idealen Bedürfnisse zu dienen, wodurch indessen jene ältere 
Stellung der Kunst keineswegs unbedingt aufgehoben ist: 
die Befriedigung des praktischen Bedürfnisses dauert auch 
jetzt noch ungeschmälert fort, kann aber für eine Beur- 
teilung der Kunst nur noch historisch in Betracht gezogen 
werden. Ist aber das Verhältnis der drei Darstellungsarten 
theoretisch und historisch ein solches, wie es sich aus 
unsrer Untersuchung ergeben hat, so ist auch kein Grund 
vorhanden, warum den heutigen Künstlern eine weitere 
Verwendung der drei Darstellungsarten je nach Bedürfnis 
einzeln oder in Verbindung miteinander versagt werden 
sollte, so lange sie ihre Kunstschöpfungen ästhetisch, also 
als Kunstwerke gestalten. Eine Beschränkung auf die 
historische Darstellungsart, welche dem sachlichen Charakter 
unserer Zeit wohl am meisten zusagt, würde, selbst wenn sie 
durchführbar wäre, unseren Künstlern nicht nur eine Fülle 
des dankbarsten Stoffes wegnehmen, sondern sie auch un- 
fehlbar auf die Bahn der Nüchternheit und Gedankenarmut 
führen, die ohnehin schon oft genug betreten wird. Eine 
solche Forderung könnte vielmehr nur aus einem Mißver- 
ständnisse des thatsächlichen Verhältnisses der drei Dar- 
stellungsarten zu einander und der besonderen Stellung 
der symbolischen und der allegorischen Kunst innerhalb 
des Gesamtgebietes der Kunst entspringen.
        

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