Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394024
KUNST, 
SYMBOLIK 
UND 
ALLEGORIE. 
S9 
Schranken der Zeit und des Ortes überspringende Zusammen- 
stellung der Personen auf den drei großen Bildern des 
trojanischen Saales, die drei Götterreiche, das Weltgericht, 
die Anbetung Christi durch die Könige und die Hirten, die 
Kreuzigung mit dem Engel und dem Teufel über den 
Schächern sind symbolisch. Seiner ganzen Anlage nach 
ist es sein letztes Werk, der Entwurf zur Ausmalung des 
Camposanto, der im einzelnen vielfach ins Allegorische 
übergeht: so bei den apokalyptischen Reitern, der Ankunft 
des neuen Jerusalem, dem Sturze Babels. Trefiliche Alle- 
gorien sind Veits sieben fette (abgebildet unten in nPhilipp 
Xieita) und Overbecks sieben magere Jahre aus der Stanza 
Bartholdy, welche jetzt mit den übrigen Fresken dieses 
Zimmers in die Nationalgalerie in Berlin übergeführt worden 
sind. Eine Verbindung der Darstellungsarten von groß- 
artiger Konzeption zeigt Kaulbach mehrfach in seinen 
Wandgemälden im Treppenhause des Neuen Museums 
zu Berlin, besonders im Homer, in der Zerstörung Jeru- 
salems, in der Hunnenschlacht und sehr geistreich in 
dem Friese. Und obgleich unsere modernste Kunst auf 
CHISClIlSClGHSIGH Naturalismus ausgeht und alles Herein- 
ragen übernatürlicher Gewalten schon durch das Bestreben, 
die Wahrheit durch die Wirklichkeit zu ersetzen, ver- 
leugnet, so gehören ihr doch auch Schöpfungen an wie 
Hennebergs njagd nach dem Glücka, Spangenbergs nZllg 
des Todesa, und selbst an historischen Denkmälern sind 
symbolische und allegorische Darstellung nicht zu umgehen. 
symbolisch ist Siemerings Pries, der den Aufbruch zum 
Kriege darstellt, allegorisch der Herold, der die Bürger zum 
Kriege ruft, und unser großes Nationaldenkmal auf dem 
Niederwalde trügt die allegorischen Gestalten der Germania, 
des Krieges, des Friedens, in den Reliefs aber historische, 
symbolische und allegorische Darstellungen friedlich neben- 
einander. 
Es liegt demnach sachlich kein Grund vor, eine der 
drei Darstellungsarten für eine minder berechtigte oder gar 
tinberechtigte zu erklären, vorausgesetzt daß sie der Grund- 
bedingung der gegenwärtigen Stellung der Kunst innerhalb der 
Kultur entspricht, der Anforderung, daß die Kunstschöpfung
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.