Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394002
KUNST, SYMßoux UND ALLEGOEIE. 
 
Großen Kurfürsten über die symbolisch die besiegten 
Feinde andeutenden gefesselten Sklaven dahinreiten laßt, 
so ist diese GüSklilltkllliiüSSllüg allegorisch, ebenso wie seine 
Masken sterbender Krieger im Hofe des jetzt zur Ruhmes- 
halle timgewzindelten Zeughauses es sind. Wo die Allegorie, 
statt einfach menschlich wahr und darum allgemein ver- 
stündlich zu sein, von der Zufälligkeit des Zeitgeschmackes 
beeinflußt ist, erscheint sie barock. So in jener Allegorie 
der Keuschheit des Franziskus von Giotto, so in so vielen 
Werken des I7. und 18. Jahrhunderts. Pigalle läßt seinen 
Marschall von Sachsen in der Thomaskirche zu Straßburg 
mutig in den vom höhnisch grinsenden Tode schon halb 
geöffneten Sarg hinabsteigen; Frankreich als üppige Frauen- 
gestalt aufgefaßt, möchte ihn zurückhalten und versticht 
zugleich den ihr die abgelaufene Sanduhr zeigenden Tod 
abzuhalten, den Sarg ganz zu öffnen. Herkules, als Ver- 
treter der Tapferkeit, steht trauernd am Sarge, die 
Wappentiere der von dem Feldherrn besiegten Staaten 
fahren entsetzt bei dem Anblick des unerschrockenen 
Helden zurück, der ruhigen Schrittes und festen Herzens 
dem Rufe des Verhängnisses folgt. Hier ist es nicht die 
Vermengung der historischen Darstellung mit der alle- 
gorischen, welche uns, trotz der imponierenden Gestalt 
des Helden, zu keinem reinen Genüsse kommen liißt, sondern 
die gesuchte Zusammenstellung, die uns immer wieder 
daran erinnert, daß wir es bei derartigen Schöpfungen 
mit Erzeugnissen des grübelnden Verstandes und nicht mit 
XVerken einer von tiefer Enapfindtmg gelenkten Gestaltungs- 
freutligkeit zu thun haben. 
Aber auch unsere moderne Bildkunst ist reich an solchen 
KVerken, welche die verschiedenen Darstellungsarten ver- 
einigen. Besonders Cornelius, dessen Aulfassungsweise 
ihrem Grundcharakter nach symbolisch ist, hat dies Mittel 
häufig verwendet. Die Katze, die sich an Hagen schmiegt, 
wie er Kriemhilden das Geheimnis ihres Gatten ablockt, 
der Hund, welcher Siegfried begleitet, nach dessen Mörder 
springt und an des Herren Leichnam heult, haben zugleich 
allegorische Kraft: die Hinterlist und die Treue der beiden 
Helden spiegeln sich in ihnen wieder. Die kühn die
        

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