Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393997
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KUNST, 
UND 
SYMBOLIK 
ALLEGORIE. 
schaftlichen Boden in der Bildlichkeit. Dürfen wir im 
kirchlichen Sinne die Sibyllen gleich den Propheten als 
historische Darstellungen auffassen, so ist doch ihre Er- 
leuchtung durch Engel, wie sie RaHael in Sta Maria della 
Pace gemalt hat, eine symbolische Darstellung, der auf 
dem Scheitel des Bogens mit der Fackel knieende Genius 
eine allegorische. Und Michelangelos Decke in der Sixtina 
enthält ebenso eine Vermischung der Darstellungsarteii, 
denen niemand individuelle Kraft und ästhetische Wirkung, 
enge Zusammengehörigkeit und einheitlichen Charakter 
absprechen wird. Sein Moses an dem Grabmale julius" H. 
ist an dieser Stelle symbolisch. Ja sogar historische Per- 
sonen hat er durch symbolische Darstellungen an den 
Medizeergräbern ersetzt. Dabei reißt sich seine schöpferische 
Phantasie von den traditionellen Allegorien los und ersetzt 
sie, nicht gerade zum Vorteil der Deutlichkeit, durch selbst- 
erfundene in den berühmten vier rätselhaften Figuren auf 
den Bogenabschnitten. Hier hat er wohl kaum genügend 
beachtet, daß die Allegorie, wie jedes gute Rätsel, die 
Möglichkeit der Lösung in sich tragen, und, gerade wenn 
sie künstlerisch wirken soll, deutlich auf diese hinweisen 
muß, um die Teilnahme auf die Art der Darstellung zu 
lenken, statt sie an die Verstandesarbeit der Rätsellösung 
und damit an die Teilnahme für den Gegenstand der Dar- 
stellung zu fesseln. Michelangelos Weltgericht ist, wie 
die übrigen Schöpfungen gleichen Gegenstandes, symbolische 
Kunst, hat aber frühere, sachgetretiere Nachbildungen der 
Dantelschen Hölle in eine mächtige Einheit umgewandelt 
und dadurch seinen Nachfolgern den nicht mehr zu ver- 
lassenden Weg gezeigt (vgl. die unten in nCornelius und 
das Weltgerichtu gegebene Erklärung des Werkes von 
Michelangelo). Dürers Melancholie ist allegorisch, wie 
es auch sein Ritter, Tod und Teufel und der heil. 
Hieronymus im Gehäuse sind, wenn sie die Temperamente 
vorstellen sollen; in demselben Falle sind auch seine vier 
Apostel allegorisch. Unzweifelhaft allegorisch dagegen 
sind seine apokalyptischen Reiter, so daß eine Reihe seiner 
bedeutendsten Schöpfungen gerade diesem Gebiete angehört. 
Wenn Schlüter seinen der historischen Kunst angehörigen
        

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