Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393962
KUNST, SYMBOLIK um) ALLEGORIE. 
 
ung verloren, welcher aus dem Bewußtsein der Unter- 
ordnung des irdischen Geschickes unter die Göttermttcht 
und aus dem Ausdrucke kindlichen Vertrauens zur Hilfe der 
günstigen Gottheit entspringt. So erhält der Festzug auf 
dem Parthenonfriese seine volle Bedeutung erst dadurch, 
daß die Götter ihm zuschauen und die in ihm liegende 
Huldigung mit wohlwollender Gnade in Empfang nehmen. 
Die Münchener Gruppe von Mutter und Kind wird immer 
eine reizvolle bleiben und warme Lebenswahrheit nachfühlen 
lassen, selbst wenn wir jetzt wissen, daß sie Eirene und 
Plutos darstellt, also reine Allegorie des den Reichtum 
schaffenden Friedens sein soll: warum jetzt bei dem An- 
blick der Gruppe ein Frösteln empfunden werden sollte, 
von dem niemand etwas geahnt hat, so lange die Mutter 
für Ino-Leukothea, das Kind für Melikertes angesehen wurde, 
ist unerfindlich. Es scheint vielmehr, daß der Künstler 
jetzt eine um so höhere Bewunderung verdient, da wir 
sehen, wie er einer abstrakten Vorstellung einen so lebens- 
wahren Ausdruck verliehen hat, daß, so lange das jetzt 
fehlende einzige Merkmal, welches die Allegorie andeutete, 
das vom Kinde gehaltene Füllhorn, nicht erkannt war, 
niemand eine Allegorie vermutete: es ist also dem Künstler 
gelungen, das Allgemeine der Abstraktion mit der vollen 
Kraft des Reizes der Individualität zu erfüllen, so daß die 
Teilnahme gerade der Art der Darstellung gilt, die Kunst- 
Schöpfung also eine ästhetische geworden ist. Aber auch die 
christliche Kunst ist mit solchen Vermischungen und alle- 
gorischen Schöpfungen von ihrem ersten Stammeln an bis 
zu ihrer höchsten Blüte hin angefüllt. Wie naiv tritt im 
Baptisterium der Arianer zu Ravenna neben die Taufe 
Christi der Flußgott jordan, der hier, wie mehrfach in 
entsprechenden Darstellungen, natürlich zur Allegorie ge- 
worden ist, aber in ganz antiker Weise die Lokalität an- 
deutet und so zur Klarheit des Ganzen beiträgt. Mit nicht 
minderer Naivität wird bei Verwendung historischer Personen 
der historische Thatbestand aufgelöst, so daß mit Beiseite- 
setzung der wirklichen Zeit- und Ortsverhältnisse die 
ursprünglich historischen Gestalten symbolische Bedeutung 
gewinnen. So tritt vielfach der ganz erwachsen dargestellte
        

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