Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393945
KUNST, SYMBOLIK UND ALLEGORIE. 
51 
ständlichkeit der Einzelerscheinungen und ihres Zusammen- 
tretens Anstoß nimmt. Nicht minder ist dies bei dem 
Holbeinschen Todentanze der Fall. Wenn der Tod den 
Mönch, dessen Bettelsack glücklich gefüllt ist, höhnisch 
grinsend an der Kapuze faßt oder das schreiende Kind 
von dem Breie wegreißt, so ist die unmittelbare Wirkung, 
die Wahrheit der Erscheinung eine so mächtige, daß man 
hier ohne Anstoß typisch gewordene historische Kunst mit 
allegorischer vermischt sieht. Und wenn Rethel den Toden- 
tanz auf seine Zeit anwendet und schildert wie der grau- 
sige Verführer die Verblendeten höhnisch auf die Barrikade 
und ins Verderben führt, oder wenn er den Tod als Tröster 
zu dem alten Glöckner treten und ihn die Totenglocke 
läuten läßt, wer möchte solchen Schöpfungen um reiner 
Arten willen die Berechtigung des Daseins bestreiten? 
Diese Vermischung ist auch dem Altertume nicht fremd. 
Wenn aufeiner Vase in Neapel (vgl. Abb.) der Sonnenaufgang 
so dargestellt wird, daß die reitende Selene hinter einem Berge 
verschwindet, der Jäger Kephalos vor der ihn verfolgenden 
Eos flieht und hinter dieser aus dem Meere der strahlen- 
bekrönte Helios auf seinem von vier Pferden gezogenen 
Wagen aufsteigt, während die Sterne, als Männer dargestellt, 
sich in die Fluten stürzen, so enthält dies Bild für den 
Standpunkt des Griechen sehr verschiedene Datrstellungs- 
weisen. Helios, Selene und Eos sind symbolische Gestalten. 
Die Liebe der Eos zu Kephalos galt dem Mythusgläubigen 
als Thatsache, das Bild geht also mit der Darstellung der 
Flucht des Kephalos vor Eos in die erzählende Kunst über, 
während die Sterne als menschlische Gestalten, die beim 
Erscheinen des Helios sich ins Wasser stürzen, auch für 
den gläubigen Griechen kaum etwas anderes gewesen sein 
können, als Allegorien, wenn auch bei ihm der Übergang 
der Allegorie zur Symbolik, wegen der vorherrschenden 
Auffassung der Naturdinge als belebter Wesen, denen der 
Glaube gerne reale Existenz zuerkannte, ein sehr leichter 
ist. Wenn aber Guido Reni in Palazzo Rospigliosi den Sonnen- 
aufgang darstellt (vgl. Abb.) und dazu die Gestalten der Eos, 
des Helios und der Horen benutzt, so sind das für ihn 
Allegorien ebenso wie für uns, da wir nicht me4hr an die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.