Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393924
SYMBOLIK 
KUNST, 
UND 
ALLEGORII 
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Empfindungs- und Anschauungsweise nicht vorhanden ist, 
wird gerade diese Gedankendichtung ohne parallel laufende 
Gestaltungskraft ein willkommener Tummelplatz der alters- 
schwachen Schöpfer-kraft eines nachgeborenen Geschlechtes. 
Da kann es sogar geschehen, daß das schlechte Auskunfts- 
mittel geradezu als eine neue und höhere Stufe der Kunst- 
schöpfung, ja als die höchste gepriesen wird, und zwar 
selbst von einem so feinsinnigen Manne, wie Winckelmann 
es war, der mit seinem ahnungsvollen Blicke in die Herr- 
lichkeit der alten Kunst die verzweifelnde Überzeugung 
von der Unmöglichkeit einer selbständigen Erneuerung der 
Kunst auf dem Gebiete der Formenschönheit verband, so 
daß er, um der zeitgenössischen Kunst ein neues Gebiet 
zu eröffnen, gerade auf dieses Gebiet der Gedankendichtung, 
den fruchtbaren Boden der Allegorie hinwies. Können aber 
solche Übertreibungen und Verzerrungen des wahren Sach- 
verhalts zu einer einfachen Verwerfung der Allegorie 
überhaupt berechtigen? Eine ruhige, sachliche Überlegung 
wird anders urteilen. 
Die Frage wird vielmehr nun so lauten müssen: 
Widerspricht die allegorische Kunst dem Wesen der Kunst 
überhaupt? Die Antwort kann nur sein: So lange sie den 
Charakter der Bildlichkeit bewahrt und nicht zur Schrift 
sich verflüchtigt, widerspricht sie dem Wesen der Kunst 
nicht. Ferner: Liegt es in ihrem Wesen begründet, daß 
sie nicht ästhetische Kunst werden kann, sondern den 
rebusartigen Charakter behalten muß, bei welchem sich 
die Teilnahme auf den Gegenstand beschränkt und für 
die Art der Gestaltung nicht erweckt wird? Die Antwort 
kann nur sein: In dem Wesen der allegorischen Darstellung 
liegt dies nicht; es hängt vielmehr von der künstlerischen 
Begabung des Darstellers ab, also von derselben Bedingung, 
von welcher es abhängt, ob die historische und die sym- 
bolische Kunst zur ästhetischen werden: erst wo die Art 
der Gestaltung Teilnahme erweckt, ist ästhetische Kunst 
da; die Art der Gestaltung hängt aber von der Auffassungs- 
fähigkeit und der Gestaltungskraft des Darstellers ab. Hier 
liegt daher der entscheidende Punkt. Nicht die allgemeine 
Berechtigung der allegorischen Kunst, an welcher ein 
Vm" Vatmmx. 4
        

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