Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393859
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KUNST, SYMBOLIK nur) ALLEGORIE. 
 
eine Abkürzung erreicht wird, ohne daß die ausführliche 
Darstellung des Mittels notwendig wäre. In demselben 
Maße, in welchem sich die Abkürzung von der ursprüng- 
lichen bildlichen Darstellung entfernt, geht ihr der 
Grundcharztkter der Kunst überhaupt, die Bildlichkeit, 
verloren: aus der zunächst noch erkenntlich bleibenden 
Abkürzung wird endlich ein Zeichen, welches so sehr 
den Charakter der Willkür in der Wahl der Gestaltung 
trägt, daß von Bildlichkeit keine Rede mehr sein kann. 
Das ursprüngliche Bild der Welle zur Andeutung des 
Begriffes nWRSSGIH dient allmählich nur noch zur An- 
deutung des Lautes, mit welchem das ägyptische Wort 
für Wasser, 11101;, anfängt; es war somit kein Grund mehr 
da, die Erinnerung an die Vorstellung Wasser festzuhalten: 
aus dem Bilde konnte ein Zeichen werden, welches für 
den die Entstehung Kennenden immer noch die Andeutung 
des ursprünglichen Bildes festhält, sonst aber durchaus 
den Charakter eines auch in seiner Form willkürlich ge- 
wählten Zeichens trägt  es ist das noch jetzt übliche 
Zeichen für den Laut m. Die allegorische Darstellung, 
welche diesen Weg geht, wird zur Schrift: unsere Schrift- 
zeichen sind bildliche Darstellungen wirklicher Gegenstände, 
welche in ihrer Bildlichkeit nicht mehr deutlich hervor- 
treten, sondern zu allegorischen Darstellungen verwendet 
und schließlich zu scheinbar willkürlichen Zeichen ver- 
flüchtigt worden sind. 
Allein dieser Weg ist nicht unbedingt notwendig. Die 
bildliche Darstellung kann auch klar erkennbar erhalten 
bleiben, und unterliegt nun derselben Entwickelung, wie die 
Darstellungen der symbolischen Kunst. Noch leichter als 
bei dieser kann bei der allegorischen Kunst die Stilisierung 
eintreten, da bei ihr der Gegenstand der Darstellung, welcher 
kein auch nur annähernd zu erreichendes Vorbild zu geben 
vermag, keinerlei Hemmnis in den Weg legt. Andrerseits 
ist aber auch nicht der zwingende Grund zur Stilisierung, 
wie bei der symbolischen Kunst, vorhanden, da die An- 
deutung durch die in der Gestaltung hervortretende Gesetz- 
mäßigkeit keinerlei erhöhende Kraft zu gewinnen hat: 
ihre Möglichkeit ist durch den der allegorischen Kunst zu-
        

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