Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393828
KUNST, 
Svmaoux 
UND 
ALLEGORIE. 
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wie die historische Kunst ihre Aufgabe erreicht hat, wenn 
sie die Wirklichkeit getreu festhält. Die symbolische Kunst 
aber, welche in erster Linie zur Anwendung kommt um 
die das menschliche Leben, seine Wohlfahrt und sein Unheil 
beherrschenden Kräfte sinnlich faßbar hinzustellen und die 
sich dazu, sobald man sich diese übermenschlichen Kräfte der 
menschlichen Erscheinung gleichartig verkörpert dachte, auch 
menschlicher Gestaltungen bediente, mußte bald das Be- 
streben haben die übermenschliche Natur statt bloß durch 
Attribute vielmehr durch die sinnliche Erscheinung zum Aus- 
druck zu bringen. Diese selbst soll die Empfindung erwecken, 
daß die menschenähnliche Gestaltung Übermenschliches vor- 
stellt: es wird durch die Unterordnung der menschlichen 
Gestalt unter ein Formgesetz erstrebt, wie es in der Wirklich- 
keit der menschlichen Erscheinung zwar in seinen Ansätzen 
vorhanden ist, nie aber zu einer ausschließlichen Durchführung 
gelangt. In dem Kunstwerke dagegen wird die hieraus 
sich ergebende Abweichung von der menschlichen Er- 
scheinung unter Beibehaltung gleichartiger Körperbildung 
mit voller Absicht erstrebt: dies geschieht mit um so größerer 
Folgerichtigkeit, je geringer die Fähigkeit ist, den Unter- 
schied göttlicher und menschlicher Natur durch etwas 
anderes als durch Stilisierung der äußeren Gestaltung zu 
gewinnen. je mehr aber in den der Beobachtung der 
Wirklichkeit entnommenen Formen die entsprechenden 
Ausdrucksmittel für Emplindtingen entdeckt werden, um- 
somehr kann der Schwerpunkt der Stilisierung in den 
Charakter, in die Emptindungsart der besonderen Gottheit 
verlegt werden: dieser Charakter wird für die besondere 
Gestaltung bestimmend und findet in ihr das Ausdrucks- 
mittel, welches um so mehr Verständlichkeit gewinnt, je 
deutlicher es die aus der Erfahrung des Lebens gewonnenen 
Ausdrucksmittel für bestimmte Empfindungsarten wieder- 
giebt. Die Gestaltungsart wird daher allmählich naturwahrer, 
die starre äußere Stilisierung tritt zurück, bis sie durch 
das Vorbild der Natur ganz verdrängt ist. Diese Freude 
an der Naturwahrheit führt freilich im weiteren Verfolge dazu, 
daß die Fähigkeit in menschlicher Gestalt göttliche Art aus- 
zudrücken, endlich ganz verloren geht, uud die Gestalten
        

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