Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393806
Kuxsr, SYMBOLIK UND ALLEGORIE. 
 
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desto derber und kräftiger, desto weniger kompliziert 
müssen die Mittel sein, welche das Vorhandensein einer 
Gesetzmäßigkeit andeuten sollen. Je feiner die Ausbildung 
der Sinne und ihrer Nerven wird, desto feiner und kom- 
plizierter können diese Mittel werden, bis endlich infolge 
einer durch Überreizung hervorgebrachten Abstumpfung 
die Empfindung für die einfacheren und deshalb kräftiger 
wirkenden Mittel neu erwacht. So ist auf jeder Stufe der 
Sinnesreiz ein sehr wichtiges und legitimes Mittel für eine 
ästhetische Kunstschöpfung: er hört aber auf es zu sein, 
wenn er statt Mittel zu bleiben, Zweck wird, wenn folglich 
die Absicht der Kunstschöpfung auf den Sinnenreiz selbst 
ausgeht, statt ein über diesen und damit über den Gegen- 
stand der Darstellung hinausgehendes Ziel im Auge zu 
behalten. Mit Verfolgung dieses sehr nahe bei dem Ziele 
liegenden Abweges tritt die Kunst in ein neues, drittes 
Verhältnis zur Menschheit, bei welchem die Wirkung auf 
die Sinne, der Sinnenreiz, das entscheidende Moment des 
Wohlgefallens wird. 
Die Kunstschöpftmg ist etwas Gemachtes. Sobald ihre 
Bildlichkeit, die als solche die Teilnahme erweckt, auch 
eine ästhetische Wirkung ausübt, was durch die besondere 
Art der Gestaltung geschieht, so wird die Aufmerksamkeit 
außer auf die Formen dieser Gestaltung auch auf die 
größere oder geringere Geschicklichkeit gelenkt, mit 
welcher dem Stoffe die ihm fremde Gestaltung beigebracht, 
die Kunstschöpfung gemacht worden ist. Diese Geschick- 
lichkeit ist die Technik. Durch je einfachere Formen die 
Empfindung der Gesetzmäßigkeit erweckt wird, desto 
weniger ist die Technik eine individuell ausgeprägte, desto 
mehr ist sie Gemeingut: der Künstler als solcher iter- 
schwindet hinter dem Werke. je komplizierter die Formen, 
je naturwahrer die Erscheinung wird, desto größer muß 
auch die Technik sein, zumal sie nun mehr und mehr die 
Fähigkeit gewinnt, die Gestaltung zum getreuen Aus- 
druck des seelischen und geistigen Lebens zu machen, 
welches immer mehr in den Mittelpunkt der Kunstschöpfung 
als ihre Hauptabsicht tritt. Da aber beides nicht immer 
Hand in Hand geht, so ergiebt sich das Verhältnis
        

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