Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393798
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KUNST, 
UND 
SYMßoLu-z 
ALLEGORIE. 
Schnittes Verwendung findet. So fügt sich das Blatt, die 
Blume, das Tier, der Mensch in seiner Erscheinung geo- 
metrischen Gesetzen und giebt eben dadurch einen Anspruch 
auf Verständlichkeit, auf notwendige Zusammengehörigkeit 
seiner Teile, auf die Vollkommenheit eines in sich abge- 
schlossenen Ganzen zu erkennen. Ein derartiges Unterwerfen 
unter ein in der Form klar erkennbares Gesetz nennt man 
stilisieren, das Gesetz selbst den Stil, womit freilich die 
Bedeutung dieses Begriffes nur soweit festgestellt ist, als er die 
dem Objekte zukommende Eigenschaft bezeichnet. Das Be- 
streben derKunst geht nun daraufaus, dieses zur Strenge in der 
Erscheinung, ja selbst zur Starrheit gewordene Gesetz mit der 
in der Natur vorhandenen Freiheit der Bewegung und der Ent- 
wickelung zu vereinigen: die Form wird sich demgemäß 
immer freier gestalten und die Einheit, statt in dem äußeren 
Formgesetz, mehr und mehr in dem die Formen beherrschen- 
den seelischen und geistigen Elemente sich konzentrieren, 
so daß bei aller scheinbaren Freiheit der Gestaltung die Be- 
h errschung allerTeile und ihre Zusammenschließung zu einem 
Ganzen durch die Kraft des zum Ausdruck gelangenden 
geistigen Lebens und Wollens unverkennbar ist. Erst wenn das 
Streben nach Natürlichkeit der Gestaltung so überwuchert, 
daß die Kunstschöpfung nur ein Spiegelbild des Zufälligen 
in der Wirklichkeit sein will, hört die ästhetische Kunst- 
schöpfung ihrem eigensten Wesen nach auf, und die 
greisgewordene Kunst fallt in das Stammeln der Kindheit 
zurück, welches freilich durch das Raffinement der Technik 
um das gebracht ist, wodurch es unter Umständen reizend 
erscheinen kann: die Naivetät. 
Die Kunst wirkt durch ihre sinnliche Erscheinung auf 
die Sinne, und erst durch diese weiter auf unsere seelische 
Empfindung. Wenn aber die Sinne nicht versagen sollen, 
so müssen sie in einer ihrer Natur entsprechenden und 
daher ihnen willkommenen, also angenehmen Weise an- 
geregt werden. Nun sind aber die Sinne und die ihre 
Thiitigkeit bestimmenden Nerven nicht zu allen Zeiten 
und auf allen Stufen der menschlichen Entwickelung von 
gleicher Leistungsfähigkeit: sie sind einer Ausbildung fähig 
und erfahren sie auch thatsächlich. je geringer diese ist,
        

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