Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393787
Kuxsr, 
SYMBOLIK um) 
ALLEGORIE. 
Sehnsucht eben dieser Psyche bleibt. Eine ästhetische 
Kunstschöpfung ist somit eine auf dem Gebiete der Sinne 
erreichte relativ giltige Lösung des metaphysischen Rätsels 
inbetreff des Zusammenhanges der Dinge, und eben dieser 
Umstand erklärt jene wunderbare, uns in der geheimnis- 
vollsten Tiefe unseres Empfindens erfassende Wirkung einer 
ästhetischen Kunstschöpfung, welche sie wie die Offen- 
barung einer höheren Welt erscheinen liißt: sie ist es auch 
thatsächlich, da sie uns einen Kosmos nicht nur erkennen, 
sondern sogar schauen oder hören läßt, wo wir sonst 
wegen der Vielheit und derDivergenz derEinzelerscheinungen 
einen Zusammenhang zwar voraussetzen dürfen, aber nicht 
erkennen können, so daß wir über das Chaos nicht hinaus- 
kommen, wie es mit Hilfe der ästhetischen Kunstschöpfung 
wenigstens für die durch sie gebotene Reihe der Erscheinungen 
der Fall ist. Daher entsteht jener Eindruck beseligender 
Ruhe, welche mit der Kraft einer Erlösung von der 
ästhetischen Kunstschöpfung in die Psyche übergeht. 
Demgemäß ist das Bestreben, eine Reihe von einzelnen 
Eindrücken zu einem Ganzen zusammenzuschließen das, 
was zuerst und stets am deutlichsten bei einer ästhetischen 
Kunstschöpftmg hervortritt. Es kann dies aber nur dadurch 
geschehen, daß in der Art der Gestaltung eine Gesetzmäßig- 
keit erkennbar wird, welche eben jenen Zusammenhang, 
jene Zusammengehörigkeit der Einzelheiten in unserer 
Empfindung zur Folge hat. Diese Gesetzmäßigkeit in der 
Art der Gestaltung macht sich zuerst durch die Einordnung 
der scheinbar willkürlichen Gestaltungen, wie die Natur sie 
bietet, in leicht erkennbare, also in die einfachsten Form- 
verhältnisse fühlbar. Solche sind die Gradliniglteit, die 
Kreis- und Bogenlinien, der Parallelismtis, die Symmetrie, 
die einfachen Zahlenverhältnisse, die Proportionen von den 
einfacheren Verhältnissen bis zu dem goldnen Schnitt. 
Die sich überstürzende Welle wird zum gradlinigen Mäander, 
später zur rundbogigen, streng gleichförmigen Welle, 
gleiche Richtung verfolgende Linien werden parallel, die 
Körper gestalten sich streng symmetrisch in der horizontalen 
Entwickelung, während in der Höhenentyvickelting neben 
den einfacheren Verhältnissen die Proportion des goldnen
        

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