Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393770
38 KUNST, SYMBOLIK um) ALLEGORIE. 
Solche Schöpfungen sticht die ästhetische Kunst durch Er- 
weckung der Teilnahme für die Art der Gestaltung über 
den praktischen Zweck zu erheben. Welches sind nun die 
Mittel, die Kunstschöpfting zu einer ästhetischen zu machen? 
Das erste und zugleich wichtigste Mittel ist jenes, 
welches der ästhetischen Kunst zugleich ihre metaphysische 
Bedeutung verleiht und dadurch die tiefe Wirkung verstand- 
lich macht, welche Kunstschöpfungen dieser Art, von den 
schlichtesten und einfachsten bis zu den höchsten, von 
jeher auf die Menschheit, Offenbarungen gleich, gemacht 
haben. Der metaphysische Drang der Menschheit besteht 
in dem Bestreben, in der Vielheit der Erscheinungen die 
einheitliche Ursache und den Zusammenhang zu erkennen, 
welche aus dem Chaos einen Kosmos machen und zeigen, 
nwas die Welt im Innersten zusammenhälta. Ieder dieser 
Versuche, von der Vernunft auf geistigem Gebiete unter- 
nommen, bleibt Stückwerk und gewahrt nie die volle 
Erkenntnis eines Ganzen, geschweige des Ganzen. Auf 
dem Gebiete der Sinne kommt dagegen die Vernunft inner- 
halb der ihr durch die Wahl dieses Gebietes gesteckten 
notwendigen Grenzen weiter, ja sie kommt zu Resultaten, 
welche zwar keine absolute, wohl aber eine relative Giltigkeit 
haben. Sie gestaltet eine Reihe von Sinneseindrücken zu einem 
Ganzen und gewinnt für dieses in einer Kunstschöpfung den 
entsprechenden Ausdruck. Diese Kunstschöpfung repräsen- 
tiert nun ein in sich abgeschlossenes, in seinen Gründen 
erkennbares Ganzes, welches eben dadurch die Befriedigung 
der zu ihrem Ziele gelangenden, im Einzelnen das Ganze, 
in der Vielheit der Eindrücke den verständlichen Zusammen- 
hang suchenden Vernunft hervorruft. Freilich ist dies Ganze 
nur ein Mikrokosmos: er gewährt aber innerhalb seiner 
Grenzen eine Genugthuung, welche der Makrokosmos nie 
zu bieten vermag. Er gewährt sie freilich nur auf dem 
Gebiete der Sinne: aber die Sinne sind verniöge der durch 
sie gewonnenen Eindrücke die Organe der Empfindungen, 
die auf unsere Psyche wirken und in ihr eben jene Be- 
friedigting erzeugen, welche, gleichfalls von den Sinnes- 
eindrücken ausgehend, aber auf dem Gebiete des Geistes 
für die abstrakte Erkenntnis gesucht, die ewig ungestillte
        

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