Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393751
36 KUNST, SYMBOLIK UND ALLEGORIE. 
 
wirklich existierenden Götter durch diese Darstellung in 
ihrer Körperlichkeit möglichst annähernd wiederzugeben, 
so wäre es rein symbolische Kunst; wollte er aber nur 
die eine Gottheit deutlich von der anderen unterscheiden, 
war ihm also der Tierkopf auf der Menschengestalt ein 
willkürlich gewähltes Zeichen, weil er sich die Gottheit 
selbst nicht mit dem Tierkopfe vorstellte, so ist es eine 
allegorische Darstellung. Der griechische Künstler, welchem 
Zeus eine Wirklichkeit ist, sucht ihn andeutend durch eine 
seiner für wirklich gehaltenen Erscheinung möglichst gleich- 
artige menschliche Gestalt anzudeuten. Um ihn jedoch von 
anderen, ähnlichen Gottheiten zu unterscheiden, giebt er ihm 
den Blitzstrahl in die Hand: dieser ist, wenn sich der Künstler 
den Gott wirklich mit einem solchen in der Hand dachte, ein 
historisches Attribut; wenn er nur ein willkürlich gewähltes 
Zeichen ist, ein allegorisches Attribut, wie sein Adler. Der 
Hammer in der Hand des Hephästos ist ein historisches 
Attribut: er, als wirklich gedacht, hat wirklich damit ge- 
arbeitet. Der Geldbeutel in der Hand des Hermes ist ein 
symbolisches Attribut: es bezeichnet ihn als Gott des Handels 
mit dem thatsächlichen Merkmale des wirklichen Handels- 
manns. Sein Schlangenstab ist ein allegorisches Attribut r 
er ist ein willkürlich gewähltes Merkmal. 
Die allegorische Kunst kann Deutlichkeit überhaupt 
nur durch Attribute erlangen, weil die körperliche Dar- 
stellung von vorneherein eine dem Vorbilde gegenüber 
fremdkörperliche ist, die Attribute selbst aber können nur 
symbolische oder allegorische, nicht aber im strengen Sinne 
historische sein, da das Vorbild in der körperlichen Auf- 
fassung des Bildes überhaupt gar nicht existiert. Die 
Mauerkrone auf dem Haupte einer weiblichen Gestalt, welche 
eine Stadt bedeuten soll, ist ein symbolisches Attribut: sie 
deutet die thatsächlicla vorhandene Mauer gleichartig, aber 
nicht ebenbildlich an; die gesenkte Fackel in der Hand des 
Todesgenius oder die Sense in der Hand des Todes sind 
allegorische Attribute: sie sind willkürlich gewählte Attri- 
bute. Wenn RaHael die Stärke durch den Eichbaum, die 
Wahrheit durch den Spiegel, die Mäßigkeit durch den 
Zaum bezeichnet, so sind dies allegorische Attribute.
        

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