Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393743
KUNST, SYMBOLIK um: ALLEGORIE. 3; 
 
zum Bilde, Welches im ersten Falle die Wirklichkeit 
möglichst getreu nachbildet, im zweiten sie der sichtbaren 
Welt gleichartig verkörpert, und im dritten, so weit es 
möglich ist, eine körperliche Andeutung der Ähnlichkeit 
benutzt, wo diese aber nicht möglich ist, zu einem willkür- 
lich gewählten Zeichen greift. So scheiden sich, der Eigen- 
tümlichkeit der jedesmaligen Aufgabe entsprechend, histo- 
rische, symbolische und allegorische Kunst: bei der Art 
ihrer Gestaltung verfolgen sie ihren gemeinsamen Zweck, 
der gemeinsamen Aufgabe entsprechend, in der Deutlich- 
keit, ohne welche sie dem sie hervorrufenden praktischen 
Bedürfnisse nicht genügen können. 
Die historische Kunst wird in erster Linie nach mög- 
lichst großer Portrattreute streben, wo das aber nicht 
möglich ist, oder der Erfolg hinter dem Wunsche zurück- 
bleibt, zur symbolischen oder zur allegorischen Darstellung 
greifen. Der ägyptische Künstler erzählt die Großthaten 
seines Königs. Um aber dessen Gewalt, dessen Heldentum 
in das richtige Verhältnis zu dem der Feinde und der 
Freunde zu bringen, macht er ihn vielmal größer als beide: 
das Größenverhältnis ist hier symbolisch. Er laßt den 
riesenhaften König einen Haufen Feinde an den gemein- 
schaftlich erfaßten Schöpfen halten und ihnen mit einem 
Streiche die Häupter abschlagen: die Handlung ist symbolisch. 
Er stellt den König und den Gott in gleicher Größe einander 
gegenüber in gleicher Menschengestalt. Aber er giebt dem 
Menschen die rotbraune Farbe der Erde, dem Gotte die der 
lichten Blaue des Himmels: die Farbe ist symbolisch. Er 
zeigt am Menschen die Uräusschlange, die nur dem König 
zukommt, am Gotte den sogenannten Nilschlüssel, das 
Zeichen der Götter: es sind ursprünglich allegorische 
Attribute, welche, da sie der Wirklichkeit oder der vor- 
ausgesetzten Wirklichkeit thatsächlich eigneten, in der 
Kunst historische Attribute werden. 
Die symbolische Kunst, welche nur andeuten kann, 
wird die Deutlichkeit durch Zuhilfenahme von Attributen 
erstreben. Der ägyptische Künstler giebt den Göttern oft 
an Stelle von menschlichen Köpfen die Köpfe der ihnen 
heiligen Tiere: hätte er beabsichtigt, die nach seinem Glftuben 
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