Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393731
E 
KUNST, SYMBOLIK um) ALLEGORIE. 
 
zur Beantwortung der zweiten Frage nach der Berechtigung 
der einzelnen Darstellutngsarten verwertet werden. 
Die Frage nach dem Zwecke der Kunst ist in dieser 
Fassung falsch. Sie beruht auf der stillen Voraussetzung, 
als ob der Zweck der Kunst ein einheitlicher und stets 
derselbe sei. Nun ist die Kunst in ihrer ganzen Ent- 
wickelung zwar eine Einheit inbeztig auf ihr charakteristisches 
Merkmal, die Bildlichkeit; sie ist es aber nicht inbezug 
auf ihre Stellung zur Menschheit, und in dieser liegt ihr 
Zweck begründet. 
Der in der Ästhetik durchweg herrschende Grundfehler 
in der Auffassung der Stellung der Kunst zur Menschheit 
liegt in der Voraussetzung, daß die Kunst stets und von 
allem Anfang an das Erzeugnis einer idealen Richtung des 
menschlichen Geistes gewesen sei. Nun liegt allerdings 
in der Thatsaclte der Bildlichkeit und in der Fähigkeit des 
Menschen, und zwar des Menschen allein, einen Gegenstand 
bildlich aufzufassen und ihn zur Anregung einer solchen 
bildlichen Auffassung äußerlich unizugestalten, die Möglich- 
keit der Verwendung dieser Thatsache und dieser Fähigkeit 
nach idealer Richtung hin als Keim vor. Aus dem Vor- 
handensein der Möglichkeit folgt aber noch nicht die 
Notwendigkeit ihrer Verwendung. Diese tritt vielmehr 
zuerst infolge eines Bedürfnisses ein, ist also die Folge 
einer Notlage, welcher durch die Verwendung jener Mög- 
lichkeit gesteuert werden soll: der Zweck, der durch diese 
infolge einer Notwendigkeit entstehende Verwendung einer 
vorhandenen Anlage im Menschen zu Kunstschöpfungen 
und darnit der Kunst erreicht werden soll, ist somit ein 
praktischer. Festhaltung der Erinnerung, Verkörperung 
überirdischer, der irdischen in ihrer Erscheinungs- und 
Handlungsweise gleichartig vorausgesetzter Macht, Mitteilung 
dessen, was man will oder verlangt, das sind die Gebiete 
des praktischen Bedürfnisses, welches durch die ganze 
Geschichte der Menschheit hindurch zur Verwendung 
der Möglichkeit bildlicher Darstellung antreibt. Sollen 
die Heldenthaten eines Königs in dercErinnerung erhalten 
bleiben, soll der Anbetung und dem Opfer ein Objekt gegeben, 
soll eine Mitteilung gemacht werden, so greift der Mensch
        

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