Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393707
KUNgT, 
SYMBOLIK 
UND 
ALLEGORIE. 
31 
allegorisch ihrer ursprünglichen Bedeutung [gemäß ge- 
braucht werden. 
Soll im Bilde das Vorbild erkannt werden, so muß 
das Bild deutlich sein. Seine Deutlichkeit hängt aber 
von dem Verhältnis ab, in welchem seine Gestaltung zu 
der des Vorbildes steht. Während nun in der historischen 
Kunst die Möglichkeit gegeben ist, daß sich die Ge- 
staltungen von Bild und Vorbild decken, so ist diese 
Möglichkeit in den beiden anderen Künsten von vorne- 
herein ausgeschlossen, mit dem Unterschiede jedoch, daß 
die symbolische Kunst wenigstens eine Gleichartigkeit der 
Gestaltung voraussetzt, während bei der allegorischen Kunst 
-die Fremdartigkeit der Gestaltung vollständig durchgeführt 
ist. Soll dennoch die Deutlichkeit erreicht werden, so 
müssen Hilfsmittel angewendet werden, deren Zweck sich 
in der Erreichung der Deutlichkeit erfüllt, die also nur zu 
diesem Zwecke vorhanden sind, im übrigen aber mit der 
Darstellung selbst nichts zu thun haben. Diese Hilfsmittel 
sind die Merkmale oder Attribute. Die Schlange am Bauin- 
stamm des Apollo vom Belvedere ist ein Attribut: sie deutet 
auf die Göttlichkeit der ihrer Erscheinung nach mensch- 
lichen Gestalt hin. Die Schlange zwischen Adam und Eva 
ist Gegenstand der Darstellung: sie ist ein wesentliches 
Glied der Erzählung. Der Apfel in der Hand der Eva, um 
diese Frau von anderen Frauen zu unterscheiden, in der 
Hand der Venus, um die Göttin als eben diese zum Unter- 
schied von anderen Göttinnen zu bezeichnen, ist Attribut; 
der Apfel, welchen Eva dem Adam reicht, oder welchen 
sie sinnend, prüfend, zögernd betrachtet, welchen Venus 
von Paris erhält, ist kein Attribut, er gehört zur Handlung, 
ist Gegenstand der Darstellung. Die Geißel in der Hand 
Attilas, die ihn als Gottesgeißel kenntlich machen soll, ist 
Attribut; wenn Alberich sie gegen Siegfried schwingt, ist 
sie Gegenstand der Darstellung selbst. 
Das Attribut kann durch einen Gegenstand gebildet 
werden, welcher dem Vorbilde thatsächliclt zugehört hat, 
ihm eigentümlich gewesen, von ihm gebraucht worden 
ist: dann ist es ein historisches Attribut. Es kann aber auch 
an einen Gegenstand nur erinnern, ohne ihn ebenbildlich
        

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