Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393699
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KUNST, SYMBOLIK UND 
ALLEGORIE. 
ist aber entweder nicht sinnlich wahrnehmbar, so daß die 
angedeutete körperliche Ähnlichkeit nur auf der Voraus- 
setzung einer gleichartigen Erscheinung und Existenzart be- 
ruht, oder sie ist sinnlich wahrnehmbanentzieht sich aber durch 
ihre besondere Natur einer ebenbildlichen Wiedergabe; im 
"dritten Falle bleibt es gleichgiltig, ob das Vorbild eine 
wirkliche oder eine nur gedachte Existenz hat, da von einer 
ebenbildlichen oder auch nur andeutenden körperlichen 
Wiedergabe überhaupt keine Rede ist, diese vielmehr in 
ihrer besondern Wahl auf Gründen beruht, welche einem 
anderen Gebiete als dem körperlichen entstammen. Das 
Bild einer weiblichen Gestalt, welches Eva bedeuten soll, 
.setzt ein entsprechend körperliches Vorbild voraus, dessen 
Ebenbild zu sein es beansprucht; soll es Venus bedeuten, 
.so setzt es die thatsächliche Existenz der Göttin in einer 
der menschlichen gleichartigen Gestalt voraus und benutzt 
daher eine solche, um die Göttin anzudeuten, beansprucht 
.aber nicht ein Ebenbild zu sein; soll es aber eine Stadt 
oder die nSchönheita bedeuten, so begnügt es sich, bei der 
Unmöglichkeit die wirkliche oder die gedachte Existenz in 
gleichartigerWeise körperlich auch nuranzudeutenmiit einem, 
in seiner Wahl durch andere als durch körperliche Über- 
-e_instinnnutig oder auch nur vorausgesetzte körperliche 
Ahnlichkeit begründeten, durch anderweitige Beziehungen 
veranlaßten, dem anzudetttenden Gegenstande vollständig 
fremden Bilde. Somit zeigt die erste Art der Darstellung die 
Wirklichkeit in körperlicher Übereinstimmung, die zweite in 
gleichartig-körperlicher Andeutung, die dritte in fremd- 
körperlicher Andeutung. Allen drei Darstellungsarten gemein- 
schaftlich aber ist das Merkmal der Bildlichkeit und somit 
die wesentliche Voraussetzung für das Vorhandensein von 
Kunst. Es sind somit, diesen drei Darstellungsarten ent- 
sprechend, drei Arten der Kunst zu unterscheiden: die er- 
zählende, die andeutende und die umdeutende Kunst, oder, 
mit Benutzung der bestehenden technischen Bezeichnungen, 
die historische, die symbolische und die allegorische Kunst, 
"wobei der Ausdruck historisch im weitesten Sinne als die 
Wirklichkeit getreu berichtend und wiedergebend ge- 
faßt ist, und ebenso die Ausdrücke symbolisch und
        

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