Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393643
MODE. 
TRACHT um) 
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erhalten, damit ja nicht ein reiner Eindruck gewonnen 
werde, der allerdings der Königin in der Mode, der Ge- 
schmacklosigkeit, allzu gefährlich würde. Ist jetzt z. B. 
das Frauengewantl nach unten zu schmal geworden, so 
drängt sich die Uebertreibung alsbald in eine andere Gegend, 
deren besondere Prononcierung sehr wenig anzumuten 
vermag. 
Dennoch tritt in dem ewigen Wechsel der Mode eine 
Gesetzmäßigkeit auf, die man mit der Regelmäßigkeit 
der Flut und der Ebbe vergleichen könnte. Es zeigt sich 
eine neue Strömung, etwa das Gewand weiter zu machen. 
Sie drängt mit Entschiedenheit vorwärts, und in jeder 
nSaisona kommt sie kräftiger zum Durchbruch: das Gewand 
wird weiter und immer weiter. Da kommt endlich die 
natürliche Grenze: es kann nicht weiter getragen werden; 
denn reichten auch die Körperkräfte dazu allenfalls noch 
aus, so wird die Unbeqtiemlichkeit, der immer bedenklicher 
wachsende Widerspruch mit den sozialen Verhältnissen trotz 
allem Heldenmute der Trägerinnen doch nach und nach allzu 
lästig. Da tritt endlich eine Gegenströmung ein: nach der 
Flut kommt die Ebbe. Die Gewänder werden nun enger 
und enger: sie können so enge werden, daß man eben ge- 
rade noch gehen kann, aber mit Mühe und nicht mit all- 
zugroßen Schritten, wie es zu Anfang unseres Jahrhunderts 
der Fall war, und nun ist wieder die äußerste Grenze er- 
reicht. Da bleibt denn nichts anderes übrig als den alten 
Weg aufs neue zu beginnen. So sind bis in die letzten 
Jahre die engen-Aermel Mode gewesen; da sie nicht enger 
werden können als die Arme sind, so müssen sie eben 
wieder weiter werden, welcher Prozess sich gerade jetzt 
allmählich vollzieht. Bei den Herrenröcken sind die früher 
übereinandergehenden Schöße allmählich mehr und mehr 
beschnitten worden, und unsre Elegants tragen Röcke, die 
fast dem Fräcke gleichen. Da werden denn die Schöße 
allmählich wieder sich entgegenwachsen müssen. 
Interessant ist es hierbei, wie die Moden der einzelnen 
Kostümstücke EinHuß aufeinander ausüben. Als seiner Zeit die 
Chignons aufkamen und das ganze Hinterhaupt in Beschlag 
nahmen, da rückte der Hut immer weiter nach vorne hin und
        

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