Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393590
TRACHT UND MODE. 
Laufbahn aufs neue. S0 bildet sich ein einfacher Geschmack, 
der nur mit wenig Sinneseindrücken arbeitet, ein guter 
Geschmack, der in der richtigen Mitte bleibt, und ein 
verfeinerter, überladener Geschmack, welcher die Sinnes- 
eindrücke in einer lästigen Weise häuft, abgesehen von 
all den Übergängen und Nüancen, die wir "hier hinter 
den Hauptrichtungen zurücktreten lassen müssen. Diejenige 
Erscheinung nun, welche uns eine solche Zahl von sinn- 
lichen Eindrücken zur Zusammenfassung unter einer einheit- 
lichen Empfindung zumutet, wie sie unsrer Durchschnitts- 
fähigkeit entspricht, nennen wir geschmackvoll. Eine weit 
nach unten oder nach oben sich entfernende Zahl solcher 
Eindrücke bezeichnen wir als geschmacklos. Ein unge- 
musterter, einfarbiger und geradlinigabgeschlossen erVorhang, 
der ganz glatt herabfällt, gewährt uns nur einen großen 
Gesamteindruck durch die geraden Linien seiner Umfassung 
und durch seine Farbe. Das ist unsrer Durchschnittstiiihigkeit 
viel zu wenig zugemutet. Fassen wir den Vorhang etwa 
in der Mitte zusammen und schlagen ihn nach der einen 
Seite hin zurück, so erreichen wir durch die Vermaniiig- 
faltigung der Umfassungslinien, die sich nun beugen statt 
gerade zu verlaufen, namentlich aber durch die Falten, deren 
jede einen neuen sinnlichen Eindruck erweckt, eine mäßige 
Zahl sinnlicher Eindrücke, wie sie unsrer Fähigkeit ent- 
spricht. Wollten wir aber durch die künstliche Legung 
diese Zahl der Falten auf fünfzig und mehr erhöhen, so 
hatten wir den Eindruck des Ueberladenen, weil unsrer 
Fähigkeit zu viel zugemutet wäre. Diese Fähigkeit hat 
aber erst durch Jahrhunderte hindurch sich von Geschlecht 
zu Geschlecht ausbilden müssen. Es hat Zeiten gegeben, 
wo die erste einfachste Art unsres Beispiels die ent- 
sprechendste gewesen wäre, und es kann Zeiten und jetzt 
schon einzelne Verbildete geben, denen die letzte Art die 
geeignetste sein wird, sie aus ihrer Blasiertheit aufzu- 
schrecken, wie denn in der That der Charakter unsrer 
heutigen Mode der ist, eine möglichst grosse Anzahl von 
Eindrücken durch künstliche Faltenlegung, Besatz aller Art, 
Häufung von Farben, ja selbst durch das noch plumpere Mittel 
der Größe und der Atitbauschtmg zu erreichen, eine Richtung,
        

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