Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396778
326 ANHANG. 
 
Satyrn und Panen vorführen, ist mir ganz unbegreiflicha. 
Darin hat er ganz recht: es wäre unbegreiflich, wenn es wahr 
wäre. Er zitiert unmittelbar darauf mein nNeues über die 
V. v. lNLrr wegen der „meist treffenden" Kritik  hat er 
denn nicht auch die Kap. Vl-VIII gelesen? Und hat er so meine 
nhohe Frau v. Mm mißverstanden, die ich doch wohl nicht die 
nhoheu Frau genannt habe, um sie mit lüsternen Satyrn und 
Nymphen auf eine Stufe zu stellen? Und sollte er, der 
Archäologe, nicht Dutzende von Beispielen mehr bei der Hand 
haben als ich sie in den erwähnten Kapiteln anführe, wo die 
Beziehungen von Mann zu Weib auch bei der höchsten Götter- 
welt dargestellt werden, wo das Verlangen schließlich das- 
selbe, die Art des Auftretens aber ein verschiedenes ist? Es 
wäre doch endlich an der Zeit einzusehen, daß die Liebe auf 
allen Stufen physiologisch denselben Grund hat, daß sie aber 
ethisch und psychologisch, ohne ihr Ziel aus dem Auge zu 
verlieren, doch in recht verschiedener Weise auftritt. S0 
wenig Hera vor dem Angriff des Sisyphos, Artemis vor der 
Störung durch den Aktaeon sicher ist, so wenig deren Zurück- 
weisung eines wollenden oder zufälligen Angreifers auf eine 
Prüderie schließen läßt, oder uns zwingt, sie selbst als Nymphen 
und die Angreifer als lüsterne Satyrn aufzufassen, so wenig 
der Angriff der Männer der Reinheit und Hoheit der ange- 
griffenen und abwehrenden Frauen irgendwie Eintrag thut, 
ebensowenig ist das in dem Motive der melischen Statue 
nach meiner Auffassung der Fall. Und nach all diesem Miß- 
verstehen, das als ein Nichtverstehenwollen auffassen zu dürfen 
ich wohl berechtigt wäre, kommt noch Heydemann und führt 
die Stelle von Wolters mit den Worten an: nwie W. treffend 
bemerktxr Wenn man andere beurteilen will, muß man ihre 
Auffassung zu Grunde legen, wie sie gegeben Wird, nicht wie 
man sie infolge von Voreingenommenheit sieht, sonst ist der 
gegen sie geführte Kampf ein Kampf mit Windmühlen. 
Eine solche Voreingenommenheit, welche das Nahe- 
liegende zu sehen hindert, bringt Wolters (a. O.) in arge Ver- 
legenheit. Gegen die Ergänzung mit dem Apfel führt er sehr 
richtig an, es sei "nnicht abzusehen, wozu bei dem einfachen 
leichten Erheben des Apfels die Göttin eine so ange- 
strengte Haltung angenommen habe, und weshalb sie den 
rechten Arm so gewaltsam gegen ihre Brust presse. Das 
erklärt sich doch nur, wenn die beiden Arme eine gemein- 
schaftliche Handlung ausführtenrt, d. h. durch einen ein- 
heitlichen Grund zu gemeinschaftlicher Handlung mit gleicher 
Tendenz veranlaßt werden, nicht aber, daß sie weinen Gegen- 
stand der sich an der linken Seite der Göttin befand, mit 
einiger Anstrengung hielten oder wenigstens berührtena: 
beides ist nicht notwendig, für die rechte Hand bei der an-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.