Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396701
ANHANG. 
319 
fälscht erscheinen, so hat eine solche Zeichnung nicht nur 
keine Beweiskraft für die Annahme: sie zeigt vielmehr, daß, 
um diese Annahme machen zu können, erst eine solche 
Änderung der Tliatsachen notwendig war: damit fällt sie aber 
in sich selbst zusammen. So krankt auch dieser Vorschlag 
an Nichtbeachtung nicht wegzuleugnender Tliatsachen, und 
von der ganzen Betrachtung möchte nichts Beachtenswertes 
zurückbleiben, als der Hinweis, daß die Statue ihrer 'Stil- 
eigentümlichkeit nach in die große Zeit der griechischen 
Kunst gehört. 
Aber auch von archäologischer Seite ist ein neuer Vor- 
schlag aufgetaucht. iYeydenzarzvz giebt in dem zwölften 
Hallischen Winckelmannsprograinm (Halle, Niemayer 1887) 
die jetzt von ihm vertretene Anschauung, seitdem ihm zwei 
Thatsaclien festzustellen scheinen. nSicher dünktk ihm zweierlei: 
1) die Zugehörigkeit der Arm- und Handfragmente zur Statue 
und 2) die Zugehörigkeit des Basisfraginentes mit der In- 
schrift. Bei dem ersten Punkte sind zwei Fragen nicht aus- 
einandergehalten: die Zugehörigkeit der Fragmente zu der 
Statue im Zustande "der Auffindung und die Zugehörigkeit 
der Fragmente zu der Statue in ihrem originalen Zustande. 
Es ist oben (S. 240) darauf hingewiesen. daß der ausgestreckte 
und erhobene linke Arm unter allen Umständen von Anfang 
an angestückt war: hieraus folgt, daß auch das gleichzeitige 
Auffinden der Fragmente kein Beweis dafür ist, daß sie zu 
dem ursprünglich am Originale befindlichen Arme und nicht 
einer antiken Restauration angehört haben. Über diese Frage 
darf man nicht einfach hinausgehen, sonst kommt man zu 
einem Scheinresultat. Die Thatsache liegt vor, daß die Hand 
mit dem Apfel von geringerer Arbeit ist. Das ist besonders 
von Fröhner anerkannt, der vor anderen Beurteilern jeden- 
falls den Vorsprung einer jalire lang wiederholten Betrachtung 
hat. Wolters (Die Gipsabgüsse antiker Bildwerke. Berlin 1885) 
weist die Möglichkeit einer Verwendung der linken Hand zu 
einer Wiederherstellung mit den Worten ab: ))VOI' allem er- 
scheint die Arbeit an der Hand so unendlich viel geringer 
und lebloser als an irgend einem Teile der Statue sonst, daß 
es schwer ist sich von der Zugehörigkeit zu überzeugenn 
(S. 560). Heydeniann dagegen findet Overbecks ingleicher 
Richtung gehendes Urteil iizu harte und will Ddle ein wenig 
leblosere Arbeita damit erklären, iidaß die obere Fläche der 
erhobenen Hand nicht sichtbar warm Eine solche Klein- 
lichkeit S011 dem Künstler einer Venus von Milo zugetraut 
werden? Er soll sich berechnet haben: die Hand kann man 
nicht sehen, also mach" ich sie init geringerer Sorgfalt?! Und 
das bei einem so wenig Raum einnehmenden Körperteil? 
Wenn ein Künstler einen nie zu sehenden Rücken minder sorg-
        

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