Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396688
ANHANG. 317 
sogar zu dem Schlusse, daß seines Gewährsmannes njudge- 
ment is utterly untrustworthly on a problem which requires 
not only freedom from preconception, but long cultivation 
of artistic perception and general critical abilityar Es gehört 
in der That eine eigentümliche Stirne dazu, einem Manne alle 
diese Dinge abzusprechen, nur weil das Resultat seiner Unter- 
suchung mit der eigenen Annahme nicht übereinstimmt. Es 
ist das amerikanische Rücksichtslosigkeit. In Deutschland 
weiß man auch einen Gegner zu schätzen, wenn er ernst 
gearbeitet hat. 
Stillmann selbst bewegt sich dabei nur auf dem Gebiete 
der Vermutungen, für welche sein einziger Grund der ist, 
daß er das glaubt. Aus der Stilverwandtschaft mit den Sieges- 
göttinnen schließt er, die melische Statue sei die im Tempel 
aufgestellt gewesene ungeiiügelte Siegesgöttin selbst. Sie sei 
einige Jahrhunderte nach ihrer Aufstellung bei irgend einer 
Gefahr nach Melos geflüchtet worden, das stets zu Athen ge- 
hört habe: hier begeht er einen historischen Irrtum, vor 
welchem ihn das genauere Studium Goelers von Ravensburg 
hätte bewahren können. Dieser berichtet klar, daß Melos 
stets dorisch gewesen und nur kurze Zeit von den Athenern 
gewaltsam besiedelt worden sei (S. 7). Damit entfällt aber 
ein wichtiges Glied in der Schlußkette Stillmanns. Dieser 
folgert nun weiter, diese Nike Apteros sei gleich der Nike 
von Brescia zu denken; sie habe den Schild auf das linke 
Knie gestützt, um darauf zu schreiben; vielleicht habe sie 
auch schon geschrieben  den bestimmten Augenblick an- 
zugeben, verzichtet er. Er erfährt dabei aus dem Goelefschen 
Buche, daß ich die Zurückführung auf die Nike von Brescia 
als falsch aufgewiesen habe: zum Tragen eines schweren 
Gegenstandes stützt man den Schenkel nach auswärts; bei 
der melischen Statue ist aber dieser nach einwärts gebogen. 
Einen derartigen sachlichen Einwand zurückzuweisen, macht 
Stillmann keine Mühe. Er sagt einfach: nBoth nature and 
the antique art assert precisely the contrary to that which 
Valentin assumesrr (S. 102). Des näheren Nachweises über- 
hebt er sich hier wie sonst. Hätte er einen Blick auf die 
von mir gegebene Zeichnung (Hohe Frau v.M. Taf. III No.7) 
geworfen, so wäre er wohl zu anderem Urteil gekommen. Es 
sind dort die beiden Statuen in ihren Umrissen übereinander 
gezeichnet. Da zeigt sich deutlich der Unterschied in der 
Haltung des linken Beines, welches die Nike von Brescia 
nach links, die melische Statue nach rechts gestellt hat. Es 
zeigt sich aber weiter, wie die Nike von Brescia sich nach 
dem Schilde zu (nach links) vorbeugt, während die melische 
Statue so weit in entgegengesetzter Richtung zurückweicht, 
daß die beiden Köpfe der übereinander gezeichneten Figuren
        

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