Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396657
3 I4 Ä-XNHANG. 
 
Augenlides das Auge verkleinert, hier entschiedener vor- 
handen. Diese etwas verschiedene Haltung des Kopfes ist 
keineswegs eine Folge der plastischen Nachbildung, sondern 
der photographischen Aufnahme. Beim Originale ist das 
Objekt der Aufnahme weit größer als in der hier benutzten, 
durch die Maschine verkleinerten Gypsnachbildung; infolge 
dessen kann der Apparat bei dieser eine größere Fläche der 
Aufsicht erfassen undwiedergeben. Selbstverständlich ist der 
vom Originale gewonnene Eindruck der der Absicht des Künstlers 
allein entsprechende, der gerade, um diesen imponierenden 
Eindruck zu gewinnen, die Statue uberlebensgroß machte: 
2,038 m in ihrer gebeugten Stellung, was einer Höhe von 
2,092 m in voller Aufrichtung entspricht. Es muß also für 
die richtige Beurteilung der Wiederherstellung der durch das 
Original bewirkte Eindruck in die verkleinerte Nachbildung 
gleichsam eingesetzt werden, so daß erst aus diesem Zusammen- 
wirken der beiden Aufnahmen sich die richtige Auffassung er- 
giebt. Die Ausführung an einem Abguß in der Originalgröße 
würde erst den vollständig einheitlichen Eindruck bewirken, 
welcher die ursprüngliche Absicht zum Ausdruck brächte. 
jeder Vorschlag einer Wiederherstellung muß nicht nur 
von den vorhandenen Thatsachen ausgehen: er muß vielmehr 
auch dazu dienen, für das Vorhandene eine Erläuterung zu 
geben und somit zu einem besseren Verständnis des in dem 
Vorhandenen Auffälligen beizutragen. Gelingt es ihm, jede 
Bewegung, jeden Zug unter dem von ihm gegebenen Gesichts- 
punkte als einen selbstverständlichen, notwendigen, nicht 
nur nachzuweisen, sondern, dem Charakter des Kunstwerks 
entsprechend, unmittelbar zur Empfindung zu bringen, so ge- 
winnt er den Anspruch auf Wahrscheinlichkeit. Ein solcher 
bleibt jedoch ohne weiteres ausgeschlossen, wenn er in der 
Grundlage, in dem thatsächlich Vorhandenen Anderungen 
vornimmt. Dieser Vorhalt ist einem Ergänzungsversuch zu 
machen, der immerhin dies für sich hat, daß er auf eine 
plastische Ausführung sich stützen kann. Aber dieser Vor- 
zug wird sofort durch den Umstand aufgehoben, daß der 
Künstler sich eine willkürliche Änderung in der Haltung der 
melischen Statue erlaubt hat. Professor JIJ. A. Zur Straxsent 
in Leipzig stellt die von ihm als Venus aufgefaßte Statue mit 
einem Mars zusammen. Als Vorbild zu letzterem hat ihm 
offenbar der im Louvre befindliche Mars Borghese gedient, 
welchen schon Ravaisson zur Herstellung einer Gruppe hat 
verwenden wollen. Nur hat Zur Straßen den Kopf seines 
Mars nach der Venus zu gedreht: hierzu war er berechtigt, 
da er nicht die antike Statue selbst verwendet, sondern 
sie nur als Vorbild benutzt hat, um eine neue Schöpfung zu 
gestalten. Allein der Blick des Mars soll sich mit dem der
        

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