Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396542
PAUL WALLOTS REICHSTAGSGEBÄUDE. 303 
 
die Architektur, insofern sie nach diesem Ziele strebt, recht 
eigentlich Renaissancecharakter trägt. Es ist daher wohl 
nur selbstverständlich, daß moderne Bauten, bei Welchen 
die kunstvolle innere Raumgestaltung bei der Herstellung 
vieler Räumlichkeiten ein wesentliches Element ist, auch 
äußerlich den Charakter der Renaissancekunst trägt. Dieser 
Gesichtspunkt mag denn, bewußt oder unbewußt, dazu 
beigetragen haben, daß der Renaissancestil, mit Wenig 
Ausnahmen, bei den Wettentwürfen der herrschende ge- 
wesen ist: nicht der gegenwärtige Geschmack verlangt 
diesen Stil, sondern der erwähnte Umstand bewirkt, daß 
trotz der in moderner Weise hastenden Geschmacksände- 
rungen, welche eine Stilart nach der anderen durchjagen 
und abnutzen, der Renaissancestil für Bauten allgemeinerer 
Bedeutung sich zu behaupten scheint. Auch Wallots Aufriß 
zeigt diesen Stil. 
Es konnte nun ein Aufriß in diesem Stile gestaltet 
werden, der trotz der Größe des Platzes, trotz der Höhe 
des Baues und der Kostbarkeit des Materiales doch nur den 
Eindruck eines Schlosses, eines Palastes gemacht hätte, 
eines fürstlichen oder herrschaftlichen Hauses, welches 
eben doch nur auch ein Wohnhaus ist: nur dehnt es sich 
den wirklichen oder den eingebildeten Bedürfnissen ent- 
sprechend weit aus und macht vielfach auf eine prunkvolle 
äußere Erscheinung Anspruch. Gerade dieser Eindruck 
des Wohnhauses mußte vermieden werden. Es ist das 
durch Verwertung vorzugsweise zweier Motive geschehen. 
Das eine ist die Anwendung des Turmes. Der Turm 
bei nichtkirchlichen Bauten ist ein Symbol der Herrschaft, 
der Macht. Wo solche ausgeübt wird, erscheint das all- 
gemeine Interesse wesentlich beteiligt, sei es als mitwir- 
kend oder als erleidend. Ist aber die Erweckung des 
allgemeinen Interesses als eines nicht nur betrachtenden, 
sondern mitbeteiligten Faktors ein wesentliches Merkmal 
des monumentalen Charakters, so wird man für diesen 
gerade das Vorhandensein des Turmes in Anspruch nehmen 
dürfen. Umgekehrt wird man die Anwendung des Turmes, 
wo ein solches mitbeteiligtes Interesse nicht angesprochen 
werden kann, als eine äußere mißbrätichliche, die Bedeutung
        

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