Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393568
TRACHT um) Moms. 
 
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Reihe von Einheiten, deren jede einen ganz bestimmten, 
in der folgenden Einheit sich wiederholenden sinnlichen 
Eindruck in unserm Ohre hinterläßt, also z. B. durch An- 
Wendung eines bestimmten Versfußes. Er darf aber die 
Reihe dieser Versfüße nur so groß machen, daß sie uns 
noch eine einheitliche Empfindung geben kann. Wollte 
er einen Vers aus zwanzig Jamben bauen, so hätte niemand 
mehr die Empfindung des Verses als einer Einheit. Er 
wird je fünf oder sechs, höchstens acht Jamben nehmen, 
weil wir nur von etwa so viel einzelnen Eindrücken noch 
eine einheitliche Empfindung gewinnen. Der Maßstab für 
die Größe des Verses liegt also in der sehr enge umgrenzten 
Fähigkeit unsres Gehörsinnes, eine Reihe sinnlicher Ein- 
drücke noch als Einheit zur Empfindung kommen zu lassen. 
Die Fähigkeit aber, dieses richtige Maß unmittelbar zu 
empfinden, ist der Geschmack. Genau so ist es mit den 
Gesichtseindrücken. Wir gehen an einem Garten hin; er 
ist mit einem Gitter eingefaßt. jeder einzelne Gitterstab 
erweckt einen sinnlichen Eindruck. Dehnt sich nun das 
Gitter sehr lang aus, und Stab steht an Stab in ganz gleich- 
mäßiger Weise, so wird unserem Auge zu viel zugemutet: 
es wendet sich ermüdet und gelangweilt von der Fülle von 
Eindrücken ab, die es nicht bewältigen kann. Wird aber 
in nicht zu langen Zwischenräumen, nach dem zehnten 
oder zwölften Stab etwa, ein Abschnitt gemacht, vielleicht 
durch einen hervorragenden kräiftigeren Stab, so vermag 
das Auge diese Reihe als Einheit zu empfinden, und eben- 
so jede folgende gleich große Abteilung, und die Lange- 
weile der Erscheinung ist geschwunden. Die Empfindung 
für die Reihe von Eindrücken, welche es vermag noch 
eine einheitliche Empfindung zu geben, ist der Geschmack, 
sein Maßstab die in dem Sinne selbst liegende Beschränkung 
der Eindrücke, welche eine einheitliche Empfindung hervor- 
bringen, auf eine nicht allzugroße Zahl. Käme nun jemand 
und verlangte, daß jener abteilende Stab eine größere oder 
geringere Anzahl gleichartiger Stäbe umfaßte, so dürften 
wir diesem zweiten Beurteiler noch keineswegs den Ge- 
schmack absprechen. Seine Empfindung urteilt anders, weil 
sein Maßstab ein anderer ist, und dieser Maßstab kann ein 
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