Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396503
PAUL WALLOTS REICHSTAGSGEBÄUDE. 299 
 
Besonderes herausheben, sondern er soll es als etwas 
Denkwürdiges und zwar um seines Zweckes willen er- 
scheinen lassen. Dies setzt zwei Dinge voraus: daß er 
ein allgemeines Interesse in Anspruch nimmt und daß 
dieser Zweck ein einheitlicher, alle in dem Gebäude ver- 
folgten Einzelzwecke beherrschender sei. Hieraus ergeben 
sich die beiden Folgerungen, daß das Gebäude durch seine 
Erscheinung die Aufmerksamkeit auf sich ziehe als auf 
etwas Bedeutsames, Behaltenswertes, als etwas über das 
Privatinteresse Hinausgehendes. Wollten wir dabei stehen 
bleiben, so erreichte bereits ein großes Hotel, wie sie 
jetzt in gewaltigem Umfang in den großen Städten ge- 
baut werden, diese Absicht. Es kommt aber noch das 
Zweite hinzu: der Zweck, welcher die Gesamtheit interes- 
siert und deren Aufmerksamkeit fesselt, muß ein einheit- 
licher, aus einer einzigen Quelle entspringender sein und 
muß als solcher fühlbar werden, indem sich ihm alle Einzel- 
zwecke unterordnen. Das Hotel hat nur in relativem Sinne 
allgemeines Interesse: thatsiichlich zersplittert es sich 
seinem Zwecke gemäß in viele Einzelheiten, die befriedigt 
werden wollen, in die Interessen vieler einzelner, von 
welchen jeder eine Besonderheit für sich ist und sich 
möglichst wenig um den anderen kümmert. Der Einzel- 
zweck ist also die Hauptsache und das Bestreben einen 
einheitlichen Ausdruck nach außen zu gewinnen, wird 
daher hinter dem Bestreben den Wünschen jedes einzelnen 
gerecht zu werden, zurücktreten müssen. Bei dem Bahn- 
hofsgebäude erscheint das Eigentümliche des Hotels in 
erhöhter Weise. Ein Gebäude mit seiner sich gleichbleiben- 
den Gestaltung kann nur dann den Ausdruck seines Zweckes 
bieten, wenn die Zwecke, denen es dient, eine endgiltige, 
sich dann gleichfalls gleichbleibende und in ihrer Bewegung 
zur Ruhe gelangenden Verteilung seiner Besucher nicht 
nur gestattet, sondern verlangt. Das Bahnhofsgebätide 
bietet aber für den Hauptteil seiner Besucher, um derer- 
willen es gebaut ist, nur einen Durchgangsort, der möglichst 
bald verlassen wird, in welchem also eine Verteilung der 
Besucher zu dauerndem Aufenthalt, eine bleibende Gruppie- 
rung, nicht eintritt. So kann der Charakter der Räume
        

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