Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396495
298 PAUL WALLOTS REICHSTAGSGEBÄUDE. 
nur Folge einer Tradition. Eine solche existiert aber für 
keines der mannigfaltigen Gebäude, welche die moderne 
Kultur für den großen Zusammeniluß von Menschen be- 
ansprucht, weder für Börsen noch für Theater, geschweige 
denn für die der jüngsten Gattung der großen Bauten, die 
Reichs- und Landtagsgebäude. England hat ein gotisches 
Parlamentshatis gebaut, Österreich lädt, vermutlich um keiner 
Nationalität wehe zu thun, die Deutschen, die Tschechen, 
die Ungarn und die Slaven in einen durchaus neutralen 
griechischen Bau ein. Für uns Deutsche bleibt wohl nur 
ein Renaissancebau übrig: ist doch gerade die Berechtigung 
des Volkes, durch seine Vertreter ein Wörtlein mitzureden, 
in der That eine Wiedergeburt sowohl germanischer als 
auch antiker Keime in moderner Umgestaltung und An- 
passung.  
Wenn nun aber keine traditionellen Formen für ein 
Reichstagsgebäude da sind, wie kommt der besondere 
Zweck eines solchen Hauses dennoch zum Ausdruck? So 
wie es zu allen Zeiten geschehen ist, durch Skulptur in 
erster, durch Malerei in zweiter Linie. So ist es bei dem 
antiken Tempel geschehen, so ist es bei Kirchen und 
Baptisterien der Fall gewesen, so ist es bis auf den heu- 
tigen Tag bei Theater und Börse, und so muß es auch 
beim Reichstagsgebäude werden, das nach dieser Richtung 
hin besonders den Bildhauern eine höchst dankbare Auf- 
gabe bieten wird, und sein Ziel erreichen muß, wenn der 
Gesamtschmuck nach einem Gesamtplane gemacht wird. 
Wenn somit von vorneherein darauf verzichtet werden 
mußte, den monumentalen Charakter in diesem Sinne 
durch das Gepräge des speziellen Zweckes eben dieses 
Gebäudes in den konstruktiven Formen erreichen zu wollen, 
weil der monumentale Charakter in solchem Ausdruck 
eines speziellen Zweckes überhaupt nicht bestehen kann, 
so fragt es sich, worin er denn besteht: erst dann kann 
getirteilt werden, ob er in dem Wallotschen Plane that- 
sächlich zum Atisdrticke gekommen ist oder nicht. 
Der monumentale Charakter, soweit er durch die ar- 
chitektonischen Formen allein erreicht werden kann, soll 
nicht nur das einzelne Gebäude aus der Masse als etwas
        

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