Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393554
TRACHT UND MODE. 
wohlthuender als die durch das harte Brod veranlaßte: 
so bewirken denn der Geruch und das Getaste, daß, wie 
wir nun zusammenfassend sagen, das frische Brod besser 
nschmeckta als das trockne. Aber auch durch den Gesichts- 
sinn wird der Eindruck des Schmeckens unterstützt: eine 
auf sauberem Tischtuch aufgetragene Speise schmeckt besser 
als' eine auf schmutzigem stehende, trotzdem daß sie selbst 
von der Unsauberkeit des Tuches unberührt bleibt. ja selbst 
das Gehör kann zur Lustempiindung beitragen; wir brauchen 
nur an knuspernde Speisen zu denken. Sehen wir nun, 
daß auf diese Weise jedes eigentliche Geschmacksurteil 
zugleich auch ein Urteil über einige, manchmal über alle 
anderen Sinne zugleich ist, während alle anderen Sinne 
ihre Eindrücke und also auch die daraus entspringenden 
Urteile vereinzelt haben können, so ist es erklärlich, wie 
die Sprache das Geschmacksurteil auch für ein aus den 
Eindrücken mehrerer Sinne entstehendes Urteil anwenden 
kann, ja wie sie in bildlichem Sinne auch dann noch von 
einem Geschniacksurteil zu reden vermag, wenn nur von 
anderen Sinnen die Rede ist und ein eigentliches Schmecken 
gar nicht in Betracht kommt, wie also auch bei Gesichts- 
und Gehöreindrücken von einem Geschmacke und einem 
Geschmacksurteil die Rede sein kann. 
Diese Freiheit des Sprachgebrauches müssen nun gerade 
wir in Anwendung bringen: wir haben es bei unsrer Be- 
trachtung der Mode nur mit den Eindrücken des Gesichts- 
sinnes zu thun, und dennoch dürfen wir auch hier von 
einem Geschmacke sprechen. ja, dieser Ausdruck hilft 
uns geradezu im Verständnis der Sache. Kein Urteil 
nämlich läßt sich fällen, ohne daß wir einen bestimmten 
Maßstab anwenden. Dieser Maßstab kann hier nicht aus 
Begriffen hergenommen werden, da das Geschmacksurteil 
aus einer Empfindung entspringt. Er kann daher nur in 
den Sinnen selbst liegen, durch welche wir die Empßndting 
gewinnen. Es ist nun eine Thatsache, daß die Sinne nur 
eine ziemlich enge umgrenzte Reihe von Eindrücken zu 
einer einheitlichen Empfindung bringen können. Will uns 
z. B. ein Dichter außer durch den Inhalt auch durch eine 
poetische Form ergetzen, so wirkt er auf uns durch eine
        

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