Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396396
288 PAUL WALLoTs REICHSTAGSGEBAUDE. 
 
Schwierigkeiten. Der Platz wird von der Stadt erreicht 
vom Brandenburger Thor aus, von dem aus er in nord- 
westlicher Richtung liegt. Er bildet mit seiner Ostseite 
die Westlinie der von Süden nach Norden laufenden, nach 
der Stadt zu gelegenen Sommerstraße. Er liegt mit seiner 
Westseite am Königsplatz, dessen Ostgrenzlinie sie bildet; 
auf dem Königsplatze steht in der Mitte die hochragende 
Siegessäule, auf der Westseite liegt das Kroll'sche Eta- 
blissement, die Nordseite stößt an den Alsenplatz, die 
Südseite wird vom Tiergarten begrenzt. Die Längsaxe 
des Platzes läuft von Süd nach Nord. 
Beide Umstände, die Lage im Verhältnis zur Stadt und 
die Lage imVerhältnis zum Königsplatze stellten Forderungen, 
die zu Widersprüchen führen mußten: die Lösung für 
diese zu finden war die erste Aufgabe des Architekten, die 
Art wie sie gefunden wurde, gab das entscheidende Moment 
für die praktische Bedeutung des Entwurfes überhaupt. 
Die Lage des Bauplatzes im Verhältnis zur Stadt 
verlangt den Eintritt von der Ostseite oder der Südseite: 
in der That bestimmt das Programm, daß vdie Zugänge 
für den regelmäßigen Geschäftsverkehr nicht von der Seite 
des Königsplatzesa, also nicht von Westen her, genommen 
werden dürfen. Da nun aber der zum Foyer und zum 
Saale führende Eingang selbstverständlich der Haupteingang 
sein muß, dieser aber ebenso selbstverständlich das be- 
herrschende Motiv für die Hauptseite, die Fassade, hergiebt, 
so müßte demnach die Fassade entweder im Osten oder 
im Süden liegen. 
Die Lage des Bauplatzes im Verhältnis zum Königs- 
platz verlangt aber gebieterisch, daß die Fassade, die Gesichts- 
seite des Gebäudes, nach diesem Platze zu, also gerade 
nach der von der Stadt und dem aus ihr strömenden 
Verkehre weggewendeten Seite gerichtet sei, also nach 
Westen. 
Hier lag die erste Schwierigkeit, welche beseitigt werden 
mußte. Absolut ausgeschlossen bleibt die Ignorierung dieser 
Schwierigkeit, indem der Haupteingang und damit die 
Fassade in die Sommerstraße gelegt würde: es bliebe nicht 
nur die Schwierigkeit selbst thatsächlich ungelöst, sondern
        

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