Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396338
282 Connßtrus 0x1) DAS WELTGERICHT. 
dem Gegenstande der Darstellung nicht widersprechen: 
erst so kann von einer Wirkung auf unser Gemüt, auf 
unseren Schönheitssinn die Rede sein. Hier aber wider- 
sprechen einander Mittel und Gegenstand der Darstellung. 
In der symbolischen Darstellung des Weltgerichtes, 
welche das Schicksal der gesamten Menschheit umfassen soll, 
bilden die Portratgestalten geschichtlicher Persönlichkeiten 
einen Mißklang. Wir rechnen dahin nicht die Heranziehung 
des Königs Ludwig: die Überlieferung, den Stifter des Bildes 
auf diesem anzubringen, mag hier um so eher gelten, als 
König Ludwig kaum als Teilnehmer an der Handlung er- 
scheint. Wir meinen vielmehr unter all den das Menschen- 
geschick im allgemeinen andeutenden Persönlichkeiten die 
Hervorhebung von Dante und Fiesole unter den Seligen. 
Hierdurch wird der Vorgang lokalisiert und verliert die 
Allgemeingiltigkeit, die hier allein am Platze war, zumal 
da gerade diese beiden Menschen so außergewöhnliche und 
eigenartige waren, daß sie unmöglich ganze Gattungen von 
Menschen repräsentieren können. Hier waren Vertreter 
der Stände, der Geschlechter, der Alter erforderlich, wie 
sie sich sonst hier finden, und, wo eine Handlung angedeutet 
werden sollte, eine solche von so allgemeiner Bedeutung, 
wie die des sich wiedererkennenden, von einem Engel be- 
kränzten Paares, wie die angstvolle Flucht des Weibes zu 
dem schützenden Engel, während der gierende Teufel die 
Flüchtende an dem Haare packt, aber vor dem rettend 
sich über sie senkenden Schwerte und Schilde zurückweichen 
muß. Ganz besonders aber gehört dahin die Unwahrschein- 
lichkeit in der Wiedergabe der Seite der Bösen. Mit außer- 
ordentlicher Kunst und mit ergreifender Wahrheit ist hier 
der in seiner Vergeblichkeit und aussichtslosen Verzweiflung 
erschütternde Kampf der auferstehenden Sünder mit den ihrer 
Aufgabe in rücksichtsloser Eilergie und satanischern Höhne 
waltenden Teufeln geschildert. Aber der Künstler wollte 
sich einen Zug der Tradition nicht entgehen lassen, welcher 
nach seiner Überzeugung die Furchtbarkeit des Weltgerichtes 
erst in ihrer ganzen Größe zur Erscheinung bringen konnte: 
der Fürst der Hölle mußte zugegen sein, er, der das Gegen- 
bild Christi ist und, wie dieser über die ganze Welt, so
        

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