Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393543
UND 
TRACHT 
MODE. 
I5 
anderen Sinne xteranlaßt wird. Und das zweite Merk- 
würdige ist, daß der Ausdruck Geschmack ganz vorzugs- 
weise im ästhetischen Sinn angewendet wird, während 
doch der Sinn des SChmeckens keineswegs zu den eigentlich 
ästhetischen Sinnen gehört, welche vielmehr das Sehen 
und das Hören sind. So auffallend dies erscheint, so 
dürfen wir doch im voraus aus dem feinen Takte, 
mit welchem die Sprache durchweg ihre bildlichen Be- 
Zeichnungen wählt, annehmen, daß es hierfür einen guten 
Grund geben müsse. Und dies ist in der That der Fall. 
Zunächst sind die Empfindungen des Schmeckens, also die 
eigentlichen Geschmacksempfindungen, lebhafter und in- 
niger mit Lust- oder Unlustempfindungen verbunden als 
die Eindrücke irgend eines der anderen Sinne: daß aber 
das Kräftigere geeignet ist, Symbol für das Schwächere 
zu werden und dies unter sich zu begreifen, ist klar. Allein 
während wir bei allen andern Sinnen reine Eindrücke ge- 
winnen können, d. h. solche, die nur durch einen einzigen 
Sinn gewonnen werden, also z. B. nur durch das Ohr oder 
nur durch das Auge, so ist dies bei dem Schmecken fast 
ganz unmöglich. Kommt ein Gegenstand auf das Organ 
des Schmeckens, die Zunge, so haben wir außer der Ge- 
schmacksempfitidttng auch noch die Tast- und die Temperatur- 
empfindttng: wir schmecken, ob derGegenstand sauer oder süß 
ist; wir fühlen, ob er rauh oder weich, ob er warm oder kalt 
ist, und diese Empündung trägt wesentlich zur Erhöhung oder 
Verminderung der durch das Schmecken erregten Lust- oder 
Unlustempfindttng bei. Da nun aber der Mund durch die über 
dem Gaumen befindliche weite, hintere Oeifnung der 
Nase mit dem in der Riechgegend der Nasenhöhle 
mündenden Riechnerven in Verbindung steht, so em- 
pfinden wir gleichzeitig das Aroma des auf der Zunge 
befindlichen Gegenstandes, und auch der Sinn des Geruches 
trägt zu der scheinbar durch das Schmecken veranlaßten 
Empfindung bei. S0 haben frisches Brod und trockenes 
Brod an und für sich durchaus denselben Geschmack. Aber 
der eigentümliche aromatische Geruch ist bei den: frischen 
Brode weit stärker als beim trockenen, und die Tast- 
empfindtmg beim Kauen des vveicheti frischen Brodes ist viel
        

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