Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393537
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TRACHT UND MODE. 
und alle die tausend Zufälligkeiten, welche Veranlassung 
zur Anwendung gewisser Gegenstände für bestimmte 
Bedeutungen geben, fortwährend durchkreuzt. Ganz anders 
ist es bei der Mode. Da die einzelne Veränderung, welche 
mit der Kleidung vorgenommen wird, die Wlahl gerade 
dieses Stoffes oder dieser Form oder Farbe keine symbolische 
Bedeutung hat, so entspringt diese Veränderung und diese 
Wahl vielmehr irgendwelchen, nicht nur einem Menschen 
unter ganz bestimmten Verhältnissen, sondern allen 
Menschen irgendwie zukommenden Voraussetzungen. Und 
da nun diese Voraussetzungen bis zu einem gewissen Grade 
die gleichen sind, jedenfalls aber gleichen Grund haben, 
so ergiebt sich hieraus die Möglichkeit allgemein giltiger 
Gesetze und demgemäß einer allgemeinen, alle Erscheinungen 
gleichmäßig umfassenden Bedeutung. Die Grundlage solcher 
allgemein giltiger, in der Mode trotz aller Veränderungen 
immer wieder hervortretender Gesetze festzustellen, wird 
nun die Aufgabe sein, wenn diese Betrachtung der Mode 
Anspruch auf wissenschaftlichen Wert erheben will. 
Wenn ich nun sage, diese Grundlage der in der Mode 
hervortretenden Gesetze ist der Geschmack, so ist man 
berechtigt von mir eine Erklärung darüber zu verlangen, 
was ich mit diesem vielgebrauchten und vielmißbrauchten 
Worte meine und inwiefern es Grundlage von Gesetzen 
werden kann. 
Wir gebrauchen den Ausdruck nGeschmacka, um die 
bei der Erfassung einer Reihe sinnlicher Eindrücke un- 
mittelbar aus der Empfindung entspringende Urteilsfähigkeit 
zu bezeichnen. Geschmack haben heißt also ein Em- 
piindungsurteil haben. Der Geschmack oder das Empfindungs- 
urteil steht dem Verstandesurteil gegenüber. Während dieses 
mit Begriffen arbeitet, entscheidet das Emplindungsurteil 
nur über sinnliche Eindrücke, über Vorstellungen, welche 
wir vermittelst unsrer Sinne von der Außenwelt gewinnen. 
Das erste Merkwürdige hierbei ist, daß wir den Ausdruck 
Geschmack, der von der Thätigkeit eines einzigen Sinnes- 
werkzeuges hergenommen ist, anwenden, um ein Urteil 
auszudrücken, welches außer durch diesen Sinn, den des 
Schmeckens, auch noch durch einen oder mehrere der
        

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