Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396228
CORNELIUS UND DAS WELTGERICI-IT. 271 
aber ergriffen die Gelegenheit, den nackten Körper in den 
Bereich ihrer Schöpfungen zu ziehen, um so lieber, als er hier 
durch die Natur der Sache ebenso gerechtfertigt war wie bei 
der Darstellung von Adam und Eva im Paradiese. Zudem hat 
sich bei Michelangelos Werk auch nach der Thätigkeit des 
Daniello da Volterra, welcher es übernahm, die allzuauf- 
fälligen Blößen zu bekleiden und dafür den Spottnamen 
des nHosenmachersa erntete, der Eindruck der Unkirch- 
lichkeit nicht verloren: er kann es auch nicht, da er weit 
tiefer liegt. 
Die herrschende Auffassung des großen Werkes geht 
dahin, daß die Werkzeuge des Leidens Christiherbeigeschleppt 
werden als die nstummen Ankläger der Verdammten, Welche 
jetzt ihr Urteil empfangen. Und so rufen denn auch die 
Marterwerkzeuge, welche die einzelnen Heiligen vorweisen, 
zur Rache auf und rechtfertigen das strenge Gerichta 
(Springer, Raffael und Michelangelo, H, S. 275). Ebenso 
sagt Lübke in seiner nGeschichte der italienischen Malereia 
(II, S. 123), ndaß rings der Kreis der Apostel fast drohend 
herandrängt, die Zeichen ihres Martertums vorweisend, als 
wollten sie dadurch zu unbarmherziger Rache auffordernxr 
Wollte man es auch für möglich halten, daß Heilige, zu- 
mal im Himmel, so unheilig empfinden könnten, daß sie 
statt an Vermittelung und Versöhnung, vielmehr an Rache 
di-ichten und nsich brüsten mit den Zeichen und Werkzeugen 
der Qualen, die sie erduldete (Woermann, Geschichte der 
Malerei II, S. 588), so fragt es sich doch, wie eine solche 
Auifassting zu den thatsächlich vor uns stehenden Gestalten 
stimmt. Da erblicken wir in der That nur scheues Zu- 
sammenducken wie bei Laurentius, furchtsames Zusammen- 
fahren wie bei Petrus und Bartholomiius, ein Hinhorchen 
wie nach etwas Unglaublichem, Unfaßbarem, Wie bei Adam, 
Angst und Entsetzen bei der ihn wie ihre Stütze er- 
fassenden Eva, bei der sich in den Schoß der Mutter 
Hüchtenden Tochter  das Niobemotiv vor AuHindting der 
Niobegruppe  wehevolles, verzweifelndes Sichabwenden 
und Sichverhüllen bei der Maria. Der ganze Himmel scheint 
in Empörung  sollte das wirklich eine Folge der Zu- 
Stimmung zu dem Richterspruche sein und nicht vielmehr
        

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