Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396172
266 CORNELIUS um) DAS WELTGERICHT. 
Heiligen, der Madonna, welche durch ihre Beziehung zum 
Kinde für genrehafte Motive eine ganz besonders günstige 
Veranlassung botl. Zur Verfolgung dieses Weges muß 
aber die betrachtende Menschheit erzogen werden: sie 
muß zuerst lernen, daß die Kultusbedeutung durch die 
ästhetische Wirkung nicht beeinträchtigt zu werden braucht  
ein Bildungsgrad, welchen auch heute die große Masse 
noch nicht besitzt: gerade die ästhetisch wertlosesten, ihre 
Heiligkeit durch Häßlichkeit und alterndes Aussehen be- 
währenden Bildwerke, wie die schwarzen Madonnen, sind die 
am höchsten verehrten, und Sansovinos reizvolle Marmor- 
gruppe in S. Agostino zu Rom ist eine Ausnahme von 
größter Seltenheit. Die betrachtende Menschheit muß aber 
ferner lernen, daß einer heiligen Darstellung die symbolische 
Kraft der Andeutung einer über sie erhabenen und der 
getreuen Wiedergabe sich entziehenden Existenz nicht 
verloren zu gehen braucht, wenn die Art der Darstellung 
nachrealistischer Wahrscheinlichkeit strebt  eine Forderung, 
die wohl noch schwerer zu erfüllen ist als die erste: die 
realistische Darstellungsweise führt, je entschiedener sie 
auftritt, mit um so unbedingterer Notwendigkeit zur An- 
nahme einer entsprechenden realistischen Existenz, und 
eine solche als eine nur andeutende, eine göttliche Hoheit 
verhüllende und diese doch zur Ahnung bringende zu be- 
trachten, mag wohl mit zu dem Schwersten gehören, was 
der menschlichen Phantasie zugemutet werden kann. Man 
denke an die Rembrandtsche Holzhackerfamilie in Kassel: 
die menschliche Bedürftigkeit tritt freilich in ergreifender 
Weise zu tage, aber aus diesem Zustande herauszulesen, 
daß gerade hier der Erlöser der Menschheit zu finden sei, 
ist mit Hilfe des Bildes allein kaum möglich. Es ist daher 
auch nicht zu verwundern, daß dem Bilde die religiöse Be- 
deutung ganz abgesprochen worden ist. Hat aber die be- 
' Nach diesem Gesichtspunkte und mit Nachweisung dieser Ent- 
wickelung habe ich in dem Texte zu den Eissenhardfschen Radierungen 
der nStädePschen Galerie in ihren Meisterwerken älterer Malereiu die 
Bildwerke geordnet (vgl. S. 3), darunter die Madonnen S. 4_10 
(Leipzig, E. A. Seemann).
        

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