Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396156
264 CORNELIUS um: ms WELTGERICHT. 
 
seiner Tendenz und die Großartigkeit seiner Durchführung 
nicht beseitigen kann. 
Es erscheint uns modernen Menschen als ganz selbst- 
verständlich, daß die Kunst da sei, um eine ästhetische 
Wirkung auszuüben: wir sind daher gewöhnt, dem Kunst- 
erzeugnis mit dem Urteil nschön oder nichtschöntr entgegen- 
zutreten. Und doch ist dies ein Standpunkt, welcher nur 
einer bestimmten Kulturstufe entspricht; wird er auf eine 
andere unterschiedslos angewendet, so ergiebt sich ein 
Widerspruch zwischen dem Ziele der Kunst und dem Aus- 
gangspunkte der Kritik. Wie man in der Kunstgeschichte 
schon längst anerkannt hat, daß die bildlichen Erzeugnisse 
lange dauernder altertümlicher Kunstepochen in der That als 
nichts anderes zu betrachten sind, denn als eine allgemein 
verständliche Bilderschrift, in welcher erst ganz allmählich 
neben das Ziel Deutlichkeit und Vollständigkeit zu erreichen, 
das andere Ziel tritt, dies zugleich so zu erstreben, daß eine 
schöne Wirkung erzielt werde, so wird sich auch die 
Ästhetik des bequemen Verfahrens entledigen müssen, 
welches die Entstehung der Kunstthätigkeit in unmittelbare, 
kausale Abhängigkeit von dem Idealen, dem Schönen setzt 
oder sie geradezu als die Verkörperung der nldeeu, als 
den Inbegriff der Schönheit betrachtet: die Ästhetik muß aus 
ihrer etwas schwindligen Höhe der Deduktion und Kon- 
struktion herabsteigen und suchen, sich mit den Thatsachen 
der geschichtlichen Entwickelung in Einklang zu setzen (vgl. 
oben S. 34). Da wird sich denn herausstellen, daß bei dem 
was wir mit vollem Rechte als Kunsterzeugnisse in An- 
Spruch nehmen, trotz des von Anfang an vollgiltig vor- 
handenen Kunstcharakters, keineswegs auch von Anfang an 
eine ästhetische Absicht vorgewaltet hat, daß vielmehr eine 
solche erst eingetreten ist, nachdem eine lange Übung der 
Kunstthätigkeit die Empfänglichkeit für das Urteil erst 
hervorgerufen und sehr allmählich gezeitigt hatte. Die 
Empfindung vschönrr ist erst eine Folge der Kunstthätigkeit, 
nicht aber deren ursprüngliche Veranlasserin. Erst nach- 
dem sie als eine selbständige Empfindung zum Bewußtsein 
gekommen ist, kann sie das Ziel einer Kunstdarstellung 
und damit deren Veranlasserin werden. Eine Betrachtung
        

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