Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396143
WELTGERICHT. 
DAS 
CORNELIUS um) 
263 
man sieht, wie er seine Kunst aufgefaßt und verwendet 
hat, welche Stellung er für sie in Anspruch genommen 
und Welche Stellung sie thatsächlich einnimmt, laßt sich 
erkennen, inwieweit er im Widerspruch mit seiner und 
unserer Zeit steht, was an ihm nicht nur groß, sondern 
auch bleibend ist. 
Von allen seinen Werken möchte gerade nach dieser 
Seite hin den besten Einblick in sein Denken und Schaffen 
das Werk gewähren, auf dessen Wirkung er wohl die 
größte Hoffnung gesetzt hat und dessen Erfolg der am 
wenigsten bedeutende, wenigstens der am mindesten all- 
gemein anerkannte war. Das nWeltgerichta in der Ludwigs- 
kirche in München, von Cornelius durchaus eigenhändig 
ausgeführt, sollte seinen zweifelhaft gewordenen Ruf als 
Maler wiederherstellen  und hat gezeigt, daß gerade das 
malerische Element seine schwächste Seite war. Es sollte 
beweisen, wie die volle Kraft des Meisters sich erst auf 
religiösem Gebiete entfalten werde  und hat geoffenbart, 
daß diese Kraftentfaltung nicht in dem Sinne wirkte, 
welchen der Meister voraussetzte, daß die Mitwelt  und 
wir können uns noch nicht als Nachwelt fühlen  das 
große Werk zwar bewunderte, aber ihm gegenüber doch 
kalt blieb. Es sollte die schwankende Stellung des Künstlers 
in München aufs neue befestigen  und ist der nächste 
Anlaß geworden, daß er einen anderen Boden suchen mußte, 
auf welchem er festere Wurzeln schlagen könnte. 
Der Grund liegt keineswegs in erster Linie in der 
ungenügenden Farbenwirktlng, welche mit dem wachsenden 
Interesse für die Farbe und ihr Recht in der Malerei nicht 
im Einklange war. Er liegt auch nicht darin, daß der 
Gegenstand veraltet wäre und uns in religiösem Sinne 
kein Interesse mehr abzugewinnen vermochte. Der Grund 
liegt vielmehr darin, daß Cornelius für die Kunst eine 
Stellung in Anspruch nahm, Welche sie in unserer Kultur 
nicht mehr beanspruchen kann, und daß er, indem er 
mit genialer Rücksichtslosigkeit die Konsequenzen aus 
seiner Voraussetzung zog, sich mit der modernen Auf- 
fassung der Kunst in einen verhängnisvollen Widerspruch 
setzte, welchen alle Bewunderung für die Lauterkeit
        

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