Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393529
TRACHT um) Momz. 
I3 
sinnigcn Verharrens in privilegierten Verhältnissen ein 
tinabliissiges Ringen und Verdrängen, wobei denn das 
Verdrängen nicht ausbleiben kann. Und nun die Mode. 
Auch sie gewährt jedem das gleiche Recht: Darstellung der 
Standes- und Anschauungstinterschiede sind für alle gleich- 
mäßig ausgeschlossen. Jeder gehört durch das Tragen der 
Mode äußerlich in gleicher Weise zu der nivellierenden 
Gesellschaft. Aber wie bald macht sich das unabweisliche 
Individuum wieder geltend, wie rasch" findet es gerade auf 
dem Boden der äußern Gleichheit im großen und ganzen 
den freien Spielraum, seine Eigenart zu entfalten! Und 
wie ganz anders vermag es dies hier zu thun als innerhalb 
der Tracht, welche ihm durch ihre symbolische Bedeutung 
so enge Fesseln anlegte! Und auch hier zeigt sich das 
unablassige Vordringen jeder neuen Erscheinung, und wie 
rasch verschwindet sie, wenn sie im unbarmherzigen Kampfe- 
sich nicht zu bewähren versteht! 
Wenn nun auch gerade in unserer Zeit die Mode ihre 
ganz besondere und weitgreifende Bedeutung hat, so 
ergiebt sich doch aus unsrer Betrachtung, sowie aus der 
Geschichte der Kleidung, daß sie überall und zu allen 
Zeiten da hervorgetreten ist, wo die erwähnten-Bedingungen 
die Lossagung von der Tracht ermöglichten. Und gerade 
aus dem Umstande, daß die Mode ihrem Wesen nach nicht 
an eine bestimmte Zeit gefesselt ist, sondern sich als natur- 
gemaße Entwickelung darstellt, gerade aus diesem Umstande 
entspringt noch eine Seite der Mode, welche sie in ihrer 
l;tilttirgeschichtlichen Bedeutung weit über die Tracht 
stellt. Wie wir gesehen haben, hat die Tracht eine, wenn 
auch nicht immer bewußt gebliebene, doch ursprünglich 
bewußt gewesene symbolische Bedeutung. Die Anwendung 
nun irgend eines äußeren Gegenstandes als Trägers einer 
symbolischen Bedeutung ist etwas durchaus Willkürliches, 
vom Belieben des einzelnen Abhängiges. Eine Tracht kann 
daher niemals Anspruch auf Allgemeingiltigkeit machen, 
und ihr Auftreten läßt sich darum auch nicht nach all- 
genieingiltigen Grundsätzen betrachten. Somit lassen sich 
auch für ihre Einzelerscheinungen keine Gesetze aufstellen; 
solche werden vielmehr durch die schrankenlose Willkür
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.