Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396076
2 j 6 RAFFAELS TRANSFIGURATION. 
 
rechte Auge steht an der richtigen Stelle, während die 
abwärts gestreckte linke Hand verzerrt ist und das linke 
Auge in den äußersten linken Winkel des Auges gerückt 
ist  soll etwa die in der Tiefe haftende, noch mit letzter 
Kraft ihre Beute haltende Natur des Dämons angedeutet 
werden, während die dem Heiland zugewendete Seite 
bereits die Befreiung ahnen lässt? 
Ist so in der unteren Szene die Kunde von der Ver- 
klärung gegeben, so zeigt uns nun die obere Szene diese selbst: 
ohne sie wäre der Ausbruch der Besessenheit des Knaben, 
wie die Verwandten sein Toben auffassen, die Verkündung 
des wunderbaren Gesichtes, von der die Apostel die erste 
Kunde hören, nicht erfolgt. Dort schwebt Christus, von 
Moses und Elias aus dem Himmel begrüßt, und die drei 
von ihm mitgenommenen Apostel kauern am Boden, vor 
der glanzvollen Erscheinung die Augen bergend. Hiervon 
erzählt das Evangelium nichts. Im Gegenteil: die Apostel 
sehen die Verklärung ruhig mit an, so sehr, daß Petrus 
sagt: nhier ist gut seina und daran denkt, für die drei Ver- 
klärten Hütten zu bauen. Erst als das Wort aus den 
Wolken ertönt: ndies ist mein lieber Sohn, an welchem 
ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hörena, erst jetzt, 
beim Hören, nicht beim Sehen  nDa das die jünger 
hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehra  
ergreift die jünger die Angst. Aber Raffael, der denkende 
Künstler, der die Stimme nicht malen konnte und sie in 
der früheren kindlichen Weise durch ein Spruchband nicht 
andeuten wollte, übersetzt die Erzählung aus dem der 
Bildkunst ferne stehenden Gebiete des Ohres in ihr ur- 
eigenstes Gebiet, das des Auges: die Jünger werden von 
dem Lichte und auch wohl von dem Gegenstande selbst, 
dem vereinten Schweben der drei Personen, ebenso innerlich 
getroffen wie äußerlich geblendet. So gewinnt der dichtende 
Künstler hier wie bei dem Knaben ein neues Motiv, durch 
das er die Szene seiner Kunst aneignet, indem er sie deren 
Anforderungen gemäß umgestaltet. 
Fassen wir das Bild so auf, so ergeben sich eine Reihe 
von Stufen in der Erkennung der Göttlichkeit Christi. 
Die Gesundheit Suchenden werden durch die Not zum
        

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