Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396058
254 RAFFAELS Tmxusrreumxrrox. 
zu thun, von dem ja die jünger nichts wissen. Und doch 
muß, um die Einheit der Handlung darzulegen, gerade dieser 
Zustand als ein wesentlicher auch für die Gestaltung des 
Bildes, für den Zustand, in welchem sich die untere Gruppe 
befindet, in Betracht kommen: anderenfalls bleibt er außer- 
halb der Handlung stehen. Sodann stimmt diese Auflassung 
des Hinweisens nicht mit dem Ausdruck, welchen die Apos- 
tel zeigen. Es ist nicht ein Ausdruck, welcher aus der 
sicheren Kenntnis einer Thatsache entspringt: er trägt 
vielmehr das Gepräge des fragenden Erstaunens über eine 
überraschende, kaum glaubliche Kunde. Diese aber kann 
die Erkrankung des Knaben nicht sein. Die Besessenheit 
war, wie aus den drei ersten Evangelien und der Apostel- 
geschichte hervorgeht  das Evangelium des Johannes 
erzählt nichts davon  ein so häufiges Vorkommnis, eine 
so alltägliche Erscheinung, daß es sich zwar sehr gut be- 
greift, wenn die Verwandten des Knaben aus persönlicher 
Neigung über den Anfall sich entsetzen, nicht aber daß 
die Apostel, welche die Heilung solcher Kranken täglich 
sahen (vgl. Matth. 4, 24; 8, 2f.; 8, 16; 8, 28 5.; 9, 3211.), 
ja selbst schon dazu berufen waren solche Heilungen aus- 
zuführen  sich in solcherWeise, wie es hier geschieht, 
überrascht und betroffen wären. 
Die Lösung, welche eine wirkliche ursächliche Ein- 
wirkung der einen Szene auf die andere enthält und damit 
auch deren Berechtigung gerade hier und gerade so zu 
erscheinen, giebt, liegt in dem Knaben selbst: er sieht den 
Verklärten, und die Mitteilung dieser Thatsache ist es, 
welche auf die Apostel in so erstaunender, sie zum Fragen 
zwingender Weise wirkt. 
Wie ist es nun aber möglich, daß gerade der kranke 
Knabe die Verklärung sieht und obendrein allein? Der 
Grund liegt eben in seiner Krankheit. Die Besessenheit 
setzt die Anwesenheit eines Teufels voraus. Der aber 
erkennt die Göttlichkeit des Heilandes und die ihm von 
diesem drohende Gefahr, und eben dies macht ihn gegen 
den Heiland sich aufbäumen. Als Jesus vom Meere in die 
Gegend der Gergesener kam, nda liefen ihm entgegen zwei 
Besessene    und sie schrieen und sprachen: Ach jesu,
        

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