Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396032
2 j 2 RAFFAELS TRANSFIGURATION. 
 
(Italienische Reise, Dezember 1787, Bericht, Bd. XXIX, 
S. 177): nRalfael zeichnete sich eben durch dieRichtigkeit 
des Denkens aus, und der gottbegabte Mann, den man 
eben hieran durchaus erkennt, soll in der Blüte seines 
Lebens falsch gedacht, falsch gehandelt haben? Nein, er 
hat, wie die Natur, jederzeit Recht, und gerade da am 
gründlichsten, wo wir sie am wenigsten begreifena. Es 
bleibt ihm immer awundersam, daß man an der Einheit 
einer solchen Konzeption jemals hat inäkeln dürfentt. Und 
dennoch sind die Versuche, diese zweifellose Einheit des 
durch nRichtigkeit seines Denkensct sich auszeichnenden 
Künstlers aus dem Bilde selbst nachzuweisen, offenbar noch 
nicht gelungen, da sie mancherlei Verschiedenheiten auf- 
weisen, die mit der richtigen Lösung fortfallen müßten, 
und da sie sich auch einer vollen Übereinstimmung mit 
dem, was das Bild thatsächlich bietet, nicht rühmen können. 
Und so dauert denn das nGeschwätz von der Doppelhand- 
lungtt, welches seit Menschenaltern umgeht, wie es Springer 
treffend bezeichnet (Raffael und Michelangelo, 2. Aufl. 1883, 
E. A. Seemann, Il, S. 192), noch immer weiter fort. 
Goethe selbst versucht folgende Lösung. vIn Abwesen- 
heit des Herrn stellen trostlose Eltern einen besessenen 
Knaben den jüngern des Heiligen dar; sie mögen schon 
Versuche gemacht haben, den Geist zu bannen; man hat 
sogar ein Buch aufgeschlagen, um zu forschen, ob nicht 
etwa eine überlieferte Formel gegen dieses Übel wirksam 
könne gefunden werden  aber vergebens. In diesem Augen- 
blicke erscheint der einzig Kräftige und zwar verklärt, an- 
erkannt von seinen großen Vorfahren, eilig deutet man 
hinauf nach solcher Vision, als der einzigen Quelle des 
Heilsa. Nach dieser Auffassung läge die Sache so einfach, 
daß man kaum begreifen könnte, wie eine Verschiedenheit 
der Auffassung überhaupt möglich wäre. Thatsächlich aber 
sieht keiner der Apostel die Vision, und der Verklärte 
wirkt auch keineswegs unmittelbar heilend auf den Kranken 
ein. Man wird also auch Goethes, auf dieser Voraussetzung 
beruhende schöne abschließende Worte nur teilweise an- 
erkennen können. Er fügt hinzu: vWie will man nun das 
Obere von dem Unteren trennen? Beides ist eins: unten
        

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