Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1393514
I2 TRACHT um) 
 
MODE. 
sagt, daß jeder, der sich ihr in der Hauptsache unterwirft, 
in die Gesellschaft eintritt und, indem er den dieser in ihrer 
Allgemeinheit zukommenden Stempel trägt, auf die äußere 
Darstellung seiner Sondergesinnung verzichtet. So hat 
die Mode, die im einzelnen bedeutungslos ist, in ihrer 
Gesamtheit eine weittragende Bedeutung und wird in ihrer 
immer mehr sich ausdehnenden Herrschaft recht eigentlich 
der charakteristische Ausdruck für unsre heutigen Kultur- 
verhältnisse. Hierdurch gewinnt die Mode in ihrer Ge- 
samtheit eine Berechtigung, die ihr weder ihre Verirrungen 
noch die künstlichen Bestrebungen nach Festhaltung der 
Trachten rauben können. Die im alten Bette seit langer 
Zeit stillgestandenen sozialen Verhältnisse sind in Bexxtegting 
gekommen und Stichen sich ein neues Bette. Da ist denn 
auch die Kleidung mobil geworden, und diese mobile 
Kleidung ist die Mode. 
Während aber der Gesamtcharakter der Mode der des 
Ausgleichs und des Abschleifens der scharfen Ecken der 
Individualität ist, so darf man nicht glauben, daß in ihr 
die Individualität ihren Untergang fände. Vielmehr ist 
gerade hierin die Mode recht eigentlich der Ausdruck unsrer 
heutigen Verhältnisse. Wir verlangen von unserem Staats- 
leben zweierlei: gleiches Recht für alle und damit Auf- 
hebung der Vorrechte einzelner, Aufhebung der Privilegien; 
und neben dieser Gleichheit des Rechtes die damit zu- 
sammenhängende, innerhalb der gesetzlichen Schranken 
ungehinderte Entfaltung der Individttalität, so daß diese 
nach ihrer Eigentümlichlteit sich ihre Stellung unter den 
anderen erringen und unter Umständen sich weit über alle 
erheben könne. So hat die Gewerbefreiheit die für einzelne 
recht bequemen und willkommenen Vorrechte aufgehoben, 
welche die Zünfte den wenigen Glücklichen darboten, die 
ihnen angehörten. Dafür läßt die Gewerbefreiheit einem 
jeden in gleicher Weise das Recht, in den Kampfplatz zu 
treten und da seine Künste zu erproben. Und nun ist 
gerade dem Individuum die Möglichkeit gegeben, je nach 
Anlagen und Verhältnissen hervorzutreten und sich hoch zu 
erheben oder in der großen Masse tmbeatchtet zu versinken. 
So tritt überall an die Stelle des behäbigen oder eigen-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.