Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1396014
2 50 RAFFAELS T RANSFIGURATION. 
 
der einen oder der anderen Persönlichkeit aus diesem ur- 
sächlichen Zusammenhange heraustritt, oder wenn dieser 
nicht in dem Sinne ein unmittelbarer ist, daß er sich 
auch zeitlich in ununterbrochener Folge vollzieht. 
Wendet man dies auf das berühmte letzte Werk Raffaels, 
die Transfiguration oder Verklärung Christi an, so möchte 
zunächst die Einheit der Wirkung außer Frage stehen. 
Unter allen Umständen kommt der mächtige Gegensatz 
zwischen der Hilfsbedürftigkeit in der unteren Hälfte und 
der Hilfsmöglichkeit in der oberen Hälfte zu überzeugender 
Wirkung, und zwar so, daß jede der beiden Hälften gerade 
für diese Wirkung die andere Hälfte verlangt: die Hilfs- 
bedürftigkeit findet ihre Erlösung in dem Vorhandensein 
der hilfreichen Macht; diese selbst hätte kein Äußerungs- 
gebiet ihrer Thätigkeit, wenn nichts Hilfsbedürftiges vor- 
handen wäre. 
Dagegen ist es eine alte Frage, ob hier wirklich eine 
einheitliche Handlung oder eine Doppelhandlung vorhanden 
sei. Wer irgendwie Empfindung für das innerste Wesen 
eines Kunstwerkes hat und weiß oder herausfühlt, daß dies 
in erster Linie in seiner Einheitlichkeit liegt, die allein es 
als eine mit innerer Notwendigkeit gleich einem Organis- 
mus entstandene Schöpfung offenbart, wer irgend eine 
klare Vorstellung von der Art des künstlerisch schaffenden 
Genius hat, der, selbst ein Erzeugnis der vollendetsten 
Gestaltung eines natürlichen Organismus, wiederum seiner- 
seits nichts schaffen kann, nichts als fertig und vollendet 
aus sich herausstellen kann, was nicht eben dieses Gepräge 
der auf innerer Notwendigkeit beruhenden Einheitlichkeit 
trägt, der wird sich nicht entschließen können zu glauben, 
daß Raffael am Schlusse seiner Laufbahn, nachdem es ihm 
gelungen war, die schwierigsten Probleme in Darstellungen 
mit einheitlicher Handlung zu gestalten, bei einem XVerke, 
mit welchem er thatsächlich mit einer gegnerischen Rich- 
tung in Wettstreit trat, gerade diese wichtigste Seite des 
Kunstwerkes, die für ihn sonst der natürliche Ausdruck 
seines innersten Wesens war, bei Seite gesetzt hätte. In 
vollster Erkenntnis dieser künstlerischen Nzttur Raffaels 
sagt Goethe von ihm mit Bezug auf diese Schöpfung
        

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